Wall Street Kurse rasten wieder talwärts
New York - Bis zum Handelsschluss in New York gab der Dow-Jones-Index um 1,6 Prozent auf 9.785,35 Punkte nach. Der Nasdaq-Index verlor sechs Prozent auf 1.853,92 Punkte. Drei Tage hielt der Aufwärtstrend an - und ließ die Optimisten unter den Marktbeobachtern schon frohlocken, die Talfahrt an den Aktienmärkten sei vorbei. Auch der überraschende Anstieg des Verbrauchervertrauens ließ auf stärkeren Konsum und damit auch wieder bessere Aktienkurse hoffen.
Für Fachleute war die schwache Eröffnung nach der Gewinnwarnung des US-Netzwerk-Spezialisten Nortel nach Börsenschluss am Dienstag keine Überraschung mehr. Die Meldung schickte alle Technologietitel abwärts. Auch Palm und Disney verloren stark, nachdem sie Entlassungen angekündigt hatten. Mehrere Investmenthäuser hatten die Unternehmen zusätzlich herabgestuft.
Bankentitel wie J.P. Morgan und Citigroup fielen ebenfalls. Händler führten den massiven Einbruch unter anderem auf Gewinnmitnahmen zurück. "Wir hatten in den vergangenen Tagen bei einigen Aktien einen Anstieg von bis zu zehn Prozent", sagte Tom Galvin von Crédit Suisse First Boston. "Dieser Markt muss erst wieder gehen lernen, bevor er laufen kann."
Talfahrt von Dax und Nemax beschleunigt
Die deutschen Aktien seien nach dem schwachen Start der Börsen in New York noch einmal unter Druck geraten, erklärte ein Händler von M.M. Warburg. Der Dax ging am späten Nachmittag im Minus und lag zu Börsenschluss zwei Prozent unter dem Vortag bei 5817 Zählern und hilet damit die wichtige 5800er-Marke. "Die Dax-Marke von 5800 Punkten ist in dieser Situation psychologisch von großer Bedeutung", sagte ein Händler. Hätte der Dax diesen wichtige Punkt im Schlusskurs wieder unterschritten, so hätten sich die Verluste bestimmt noch weiter beschleunigt.
Noch schwächer zeigte sich der Neue Markt. Dort verlor der Nemax 50 5,3 Prozent auf 1567 Stellen. "Damit ist der Markt wieder auf dem Boden der Tatsachen", sagte ein Börsianer. Es bestehe weiter eine latente Gefahr erneut fallender Kurse und angesichts der unklaren US-Konjunktur kein Grund zur Euphorie. "Die Gewinne der Vortage waren doch in erster Linie technischer Natur", sagte ein Händler mit Blick auf die zuvor wochenlang fallenden Kurse.
Bei den deutschen Technologiewerten machen Händler zwei Faktoren für die Verluste die verantwortlich. Zum einen ist das die schlechte Vorgabe der Nasdaq. Zum anderen zeige die Gewinnwarnung von Nortel, dass die Probleme im Technologiebereich noch nicht ausgestanden seien. Siemens verloren 3,4 Prozent auf 120,70 Euro, Infineon 3,7 Prozent auf 44,40 Euro und SAP 6,1 Prozent auf 138,02 Euro.
Weiter nach unten ging es auch bei der Deutschen Telekom. Am Nachmittag kursierte ein Gerücht bei Händlern, dass die Telekom ihre Dividende kürzen wird. "Das macht Sinn", so ein Marktteilnehmer. Bei der hohen Verschuldung sei es logisch, dass das Unternehmen kein Geld habe. Zudem sei der Kurs mittlerweile auf einem so niedrigen Niveau angekommen, dass eine Dividendensenkung nichts an der Rendite ändern würde. Allerdings wies ein Händler darauf hin, dass die Dividende wohl bei der Emission zugesagt worden sei, daher halte er einen solchen Schritt für "sehr unwahrscheinlich". Vom Unternehmen gibt es noch keine Stellungnahme.
Nach Aufkommen der Spekulationen beschleunigte sich der Kursverfall der T-Aktie weiter. Doch damit nicht genug: Das Bonner Unternehmen habe nun mit einem weiteren Wertberichtigungsbedarf in Höhe von zwei bis drei Milliarden Euro zu rechnen, berichtete das Anlegermagazin "Die Telebörse". Es sei ein "Unding", dass es sich dabei nicht um ein Versehen handeln soll, sondern um ein bewusstes Herausputzen für den Börsengang. "Das ist eine bewusste Täuschung des Anlegers und sollte bestraft werden", ergänzte ein Marktteilnehmer. Die Papiere gaben 3,72 Prozent auf 27,15 Euro ab.