Wall Street: US-Börsen schlossen freundlich - DER SPIEGEL
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Wall Street US-Börsen schlossen freundlich

Die Börsen in den USA schafften im späten Handel noch den Sprung in die Pluszone. Die Blue Chips im Dow Jones notierten freundlich. Neue Wirtschaftsdaten schürten einmal mehr die Angst der Anleger vor einer Rezession.
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New York - Nach einer uneinheitlichen Entwicklung im Handelsverlauf setzte sich an der Wall Street in der letzten Börsenstunde eine freundliche Stimmung durch. Der Dow Jones Index ging am Donnerstag mit einem Plus von 0,88 Prozent aus dem Handel, auf einem Stand von 10.983 Punkten. Der breiter gefächerte S&P 500 verbesserte sich um 0,53 Prozent auf 1373 Zähler.

Boeing und Wal-Mart größte Verlierer im Dow Jones

Die Liste der Gewinner im Dow Jones wurde von SBC Communications und Phillip Morris angeführt. Die größten Verlierer waren Boeing und Wal-Mart Stores. Von Wal-Mart abgesehen entwickelten sich die Aktien der Einzelhandels-Branche aber ausgezeichnet: Der S&P Retail Index kletterte um immerhin 3,99 Prozent.

Nach einer Studie von Instinet profitierten in der Vergangenheit Finanztitel, Einzelhändler und Transportwerte als erstes von Zinssenkungen - am Mittwoch hatte die US Notenbank die Leitzinsen um 50 Basispunkte auf 5,5 Prozent reduziert.

Bei den Technologiewerten war im Handelsverlauf keine klare Richtung zu erkennen. Computerwerte konnten sich im Durchschnitt gut behaupten: Der Amex Computer Tech Index verbesserte sich um 1,42 Prozent. Halbleiter-Werte, Internet- und Biotechnologie-Unternehmen tendierten dagegen schwächer. Der Technologie-Index Nasdaq ging am Ende mit einem kleinen Plus von 0,36 Prozent aus dem Handel, auf einem Stand von 2783 Punkten.

Investoren trotz Zinssenkung weiter verunsichert

Zu Beginn der Börsensitzung lieferten neue Wirtschaftsdaten den Rezessionsängsten neue Nahrung. Die Investoren fragen sich zur Zeit, ob die aggressiven Zinssenkungen der Notenbank ausreichen werden, um die lahmende US-Konjunktur im zweiten Halbjahr von neuem anzukurbeln.

Am Morgen wurde der Einkaufsmanager-Index für Januar veröffentlicht: Demnach fiel die Wirtschaftsaktivität im verarbeitenden Gewerbe auf 41,2 Prozent zurück, dem niedrigsten Wert seit der letzten Rezession. An den Aktienmärkten hatte man nur mit einem Rückgang auf 43,8 Prozent gerechnet. Ein Wert über 50 signalisiert eine Expansion, ein Wert darunter ein Schrumpfen der Wirtschaftsaktivität.

National Semiconductor warnt vor Umsatzeinbruch

Kurz nach Börsenschluss warnte der Chiphersteller National Semiconductor vor einem deutlich schwächeren Umsatz im laufenden Quartal: Bei den Herstellern von Handys und Computern seien hohe Lagerbestände aufgelaufen. Deshalb rechnet das Management von National Semiconductor nur noch mit einem Umsatz zwischen 475 Millionen und 480 Millionen Dollar, etwa 19 Prozent unter dem Vorjahr.

Auto-Konzerne verzeichnen weniger Absatz

Wie am Nachmittag bekannt wurde, sind die Verkaufszahlen der Autohersteller Ford und General Motors (GM) im Januar deutlich zurückgegangen, ein weiteres Anzeichen für die derzeitige Schwäche der US-Wirtschaft. Die Verkäufe neuer Personen- und Lastkraftwagen sank bei Ford im Januar um 11 Prozent. Bei GM fiel die Zahl der Verkäufe insgesamt um 5 Prozent.

Matell übertrifft Analysten-Erwartungen

Das US-Spielzeugunternehmen Mattel gab am Vormittag ein Gewinnwachstum von 20 Prozent bekannt. Das Management verwies zur Begründung auf starke Verkaufszahlen der führenden Marken Barbie und Hot Wheels. Mattel erzielte einen Gewinn vor außergewöhnlichen Kosten von 121 Millionen Dollar oder 28 Cents pro Aktie erzielt, zwei Cents über den Markterwartungen.

Der Telefonkonzern Verizon fuhr im vierten Quartal einen Gewinn von 77 Cents pro Aktie ein, gegenüber 75 Cents im Vorjahr. Das Ergebnis lag im Rahmen der Markterwartungen. Die Umsätze wurden auf 16,9 Milliarden Dollar gesteigert, im Vergleich zu 15,3 Milliarden Dollar im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Der Konkurrent Sprint erzielte im vierten Quartal einen Gewinn 41 Cents pro Aktie, 2 Cents über den allgemeinen Markterwartungen. Allerdings lag das Ergebnis deutlich unter den 49 Cents des Vorjahres. Sprint sprach gleichzeitig eine Gewinnwarnung für 2001 aus, unter anderem wegen hoher Investitionen in Brasilien. Im laufenden Quartal sollen die Gewinne pro Aktie nur noch am oberen Ende der 30 Cent-Spanne liegen, deutlich den Schätzungen der Analysten von 44 Cents pro Aktie.

General Electric will 75.000 Stellen streichen

Bei General Electric (GE) will man in den kommenden zwei Jahren bis zu 75.000 Stellen kürzen. Dies berichtete die Business Week unter Verweis auf Quellen an der Wall Street und Personen, die dem Unternehmen nahe stehen. GE Pressesprecher Gerry Sheffer kündigte einen Stellenabbau im Rahmen der Übernahme von Honeywell an, nannte aber keine konkreten Zahlen.

Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung kletterten in der Woche bis zum 27. Januar auf 346000 – den höchsten Stand seit Ende letzten Jahres. Wirtschafsexperten hatten nur mit einem Anstieg auf 331000 gerechnet.

Die Zinsen der 10-jährigen Staatsanleihe fielen am Donnerstag um 0,033 auf 5,179 Prozent zurück. Der Dollar notierte leichter, ein Euro kostet zur Zeit 93,36 Cents.

Von Christian Tempich, New York