Wanderungen einer Werbeidee: "Eine große Klauerei" - DER SPIEGEL
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Wanderungen einer Werbeidee "Eine große Klauerei"

Nichts wird so schnell geklaut wie eine gute Idee - vor allem in der Welt der Werbung. Das gilt auch für das Marketing per Gratispostkarte (international auch Freecard oder Promotional Postcard genannt).
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nachahmer haben sie inzwischen in über 30 Länder auf fünf Kontinenten verbreitet. Wer den Einfall als Erster hatte, ist nicht mehr leicht nachzuverfolgen. Einiges spricht dafür, dass es der Spanier Xavier Baqué war. Seine Firma Vanguardia hängte seit 1986 Kartenständer in katalanischen Metropole Barcelona auf. Vier Jahre später entdeckte der Grafiker Ahmed Kusserow die Idee bei einer Urlaubsreise und gründete wenig später in Berlin die Firma DinA6 Postkartenwerbung. Sie war der Vorläufer des heutigen Kartenwerbers Dinamix unter Führung von Jan Tadeusz Szelinski und Anton Jäger.

Fast zeitgleich wurde die Idee ein zweites Mal nach Deutschland importiert, dieses Mal aus dem Norden. Die Dänin Nana Bromberg hatte in Kopenhagen ebenfalls Gratis-Werbekarten gesehen und gründete daraufhin in Hamburg das Unternehmen Edgar (eine Verballhornung von Ad Card). Edgar ist heute vor Dinamix der Marktführer in Deutschland.

"Solche Ideen sind ja nicht schützbar"

So schnell breitete sich das Konzept aus, dass auch Alan Wolan in den USA beinahe zu spät kam: Nur zwei Wochen nach dem Start von GoCard in New York brachte der Konkurrent Max Racks ebenfalls erste Karten auf den Markt. Noch immer ist die Firma Wolas wichtigster Konkurrent.

Allein in Deutschland haben inzwischen fast 50 Firmen mit dem Konzept der Gratis-Werbekarte experimentiert, sogar in Österreich gab es ein halbes Dutzend größere Anbieter. Dinamix-Geschäftsführer Jan Szelinski sagt: "Solche Ideen sind ja nicht schützbar. Vor kurzem habe ich Karten auch im Urlaub in Thailand gesehen. Das ist eine große Klauerei."