Warenhauskrise Hertie meldet Insolvenz an
Hamburg - Hertie ist wegen der Finanzprobleme des britischen Haupteigentümers Dawnay Day in heftige Schwierigkeiten geraten. Schon seit Tagen machen Gerüchte über eine baldige Pleite die Runde. Nun versucht Mark Rahman, Mitglied der Hertie-Geschäftsführung, trotz der Katastrophe Optimismus zu verbreiten: "Die Insolvenzordnung bietet zahlreiche Möglichkeiten, den Geschäftsbetrieb eines Unternehmens zu stabilisieren und somit eine gute Ausgangslage für einen nachhaltigen Turnaround zu schaffen", sagte er.
Dawnay Day hatte 2005 von KarstadtQuelle, der heutigen Arcandor, kleinere Filialen einschließlich der Grundstücke übernommen und unter dem Traditionsnamen Hertie weiterbetrieben. Medienberichten zufolge schrieb Hertie in den vergangenen beiden Jahren jeweils aber rund 30 Millionen Euro Verlust. Die Investoren hatten die Verluste bisher ausgeglichen. Anfang Juli bekam Dawnay Day als Folge der Finanzmarktkrise aber selbst Probleme.
Für den Fortbetrieb von Hertie seien Kredite nötig, hieß es aus Finanzkreisen. Über Sicherungen dafür werde intensiv verhandelt. Eine Möglichkeit stelle eine Landesbürgschaft dar, hieß es. Der Sprecher des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums, Joachim Neuser, machte dazu keine näheren Angaben. "Wir sind mit dem Unternehmen seit Tagen im Gespräch und werden einen möglichen Konsolidierungskurs konstruktiv begleiten", sagte er nur.
Als weiterer Ausweg wird der Hertie-Immobilienbesitz genannt, der in einer eigenen Gesellschaft von der Warenhauskette abgespalten ist. Einem Verkauf oder einer Beleihung der Grundstücke müssten aber natürlich die Eigentümer zustimmen. Dies wird angesichts der eigenen Probleme von Dawnay Day als unwahrscheinlich angesehen.
Erst Anfang des Monats hatte die ebenfalls früher zu KarstadtQuelle gehörende Textilkette Wehmeyer mit tausend Beschäftigten Insolvenz angemeldet. Das Aachener Unternehmen mit 38 Modehäusern in vier Bundesländern war 2005 an einen Investor verkauft worden.
ase/dpa/Reuters