Warnstreiks 12.000 DaimlerChrysler-Mitarbeiter im Ausstand
Sindelfingen - Bei DaimlerChrysler in Sindelfingen versammelten sich die Beschäftigten vor dem Werkstor. Weil die Frühschicht anschließend nach Hause ging, kam es zu einem mehrstündigen Produktionsausfall in dem Werk, in dem täglich rund 1800 Fahrzeuge produziert werden.
Der DaimlerChrysler-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm forderte die Arbeitgeber auf der Kundgebung zum Einlenken auf. Die morgen beginnende fünfte und entscheidende Verhandlungsrunde in Baden-Württemberg sei für Gesamtmetall "die letzte Chance", friedlich zu einem Tarifabschluss zu kommen. Ansonsten werde es Urabstimmungen und einen Arbeitskampf geben.
Klemm deutete zugleich an, dass sich auch die IG Metall bewegen werde. Tarifverhandlungen seien "kein Austausch von Ultimaten". Am Ende brauche es einen Kompromiss. Mit Blick auf die Forderung der Arbeitgeber, Teile des Weihnachtsgeldes vom Ertrag eines Unternehmens abhängig zu machen, sagte der Betriebsratschef jedoch, "darüber werden wir nicht mal reden".
Die IG Metall fordert für die bundesweit rund 3,4 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie 6,5 Prozent mehr Lohn. Die Arbeitgeber boten bislang eine lineare Erhöhung der Gehälter um 2,5 Prozent und einen befristeten Konjunkturbonus von 0,5 Prozent.
Baden-Württemberg soll heute der Schwerpunkt der bundesweiten Warnstreiks sein, an dem sich nach Angaben der IG Metall bis zu 100.000 Menschen beteiligen werden. Für den Abend und die Nacht sind bei DaimlerChrysler weitere Arbeitsniederlegungen geplant. Warnstreiks gab es unter anderem auch bei Porsche in Stuttgart und bei ZF in Friedrichshafen.
Die Warnstreiks sollen morgen noch einmal massiv ausgeweitet werden. Insgesamt 70.000 Beschäftigte in mehr als 70 Betrieben würden zeitweise die Arbeit niederlegen, kündigte die Gewerkschaft an. Betroffen sind unter anderem BMW , Audi, Bosch und Siemens . "Eine andere Sprache verstehen die Unternehmer anscheinend nicht", sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer heute in München. "Die Verhandlungen am Donnerstag und Freitag sind wohl die letzte Chance für die Arbeitgeber, endlich ein Angebot vorzulegen, dass die Beschäftigten fair am erwirtschafteten Erfolg beteiligt."
sam/ddp/dpa