Warnung der Industrie Lebensmittelpreise steigen weiter
Hamburg - Die deutschen Verbraucher müssen für Lebensmittel künftig tiefer in die Tasche greifen. Nachdem die Preise unter anderem für Milch und Brot im ersten Halbjahr bereits um 2,2 Prozent anzogen, rechnet die Ernährungsindustrie in der zweiten Jahreshälfte 2007 mit einem Anstieg zwischen zwei und drei Prozent. "Für den Verbraucher wird das am Ende aber gut ausgehen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL), Michael Gerling. Eigentlich könne sich der wettbewerbsintensive Handel überhaupt keine Preiserhöhungen erlauben.
Panikstimmung sei nicht gerechtfertigt, sagte auch die Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, Sabine Eichner Lisboa, mit Blick auf die Preissprünge der vergangenen Monate. Die Lebensmittelpreise in Deutschland seien nach wie vor um sechs Prozent günstiger als im Durchschnitt der 27 EU-Staaten.
Bis August seien im laufenden Jahr die Nahrungsmittelpreise um 2,4 Prozent gestiegen, die allgemeine Teuerungsrate habe bei 1,9 Prozent gelegen, erklärte Eichner. Jüngste Zahlen aus Nordrhein-Westfalen deuteten aber auf ein deutliches Anziehen der Inflation hin. So meldete das Statistische Landesamt in Düsseldorf für September mit 2,6 Prozent die höchste Teuerungsrate seit Mai 2001. Gegenüber September 2006 schlug vor allem der um 37,5 Prozent höhere Butterpreis zu Buche.
Dagegen sind Kartoffeln in diesem Jahr billiger geworden. Der Kartoffelpreis ging um acht Prozent zurück. Die 2,5 Kilogramm-Packung kostete im August durchschnittlich 1,45 Euro, wie der Deutsche Kartoffelhandelsverband mitteilte.
EU will Getreideproduktion steigern
Angesichts der steigenden Brot- und Futtermittelpreise will die EU die Getreideproduktion in Europa um mindestens zehn Millionen Tonnen steigern. Die EU-Agrarminister hoben dazu heute eine Pflanzbeschränkung für die europäischen Bauern vorläufig auf. Die Bundesregierung wandte sich allerdings gegen die Forderung Polens, auch die Milchquote zu erhöhen.
Die Pflanzbeschränkungen für Getreide waren Ende der achtziger Jahre eingeführt worden, um Überschüsse abzubauen. Derzeit ist Getreide in der EU aber knapp, die Preise haben einen historischen Höchststand erreicht.
Die sogenannten Interventionsbestände, die Reserven der EU für Marktschwankungen, sind nach Angaben der EU-Kommission von 14 Millionen Tonnen auf eine Million Tonnen zurückgegangen. Die Vorschrift, nach der die EU-Bauern zehn Prozent ihrer Anbaufläche brachliegen lassen müssen, wurde deshalb für die Aussaat im Herbst 2007 und im Frühjahr 2008 ausgesetzt.
sam/AP/dpa