Warnung der Polizei Heros ist kein Einzelfall
Hannover/Berlin - "Am Freitagvormittag wollten wir zur Staatsanwaltschaft gehen und uns offenbaren", erklärte Bertram Boerner, der Anwalt des Heros-Inhabers. Der Firmenchef sei Mitte der vergangenen Woche zu ihm gekommen. Er halte den inneren Druck nicht mehr aus und wolle sich deshalb selbst anzeigen, habe er gesagt. Doch dann seien ihm die Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft zuvorgekommen. Jetzt wolle der Heros-Chef zumindest ein Geständnis ablegen. "Mein Mandant wird den Sachverhalt aufklären und die Verantwortung übernehmen", erklärte Boerner
Das bundesweit größte Geldtransportunternehmen hatte am Montag Insolvenz angemeldet. Laut Staatsanwaltschaft sollen durch die Firma durch eine Art Schneeballsystem innerhalb mehrerer Jahre rund 300 Millionen Euro unterschlagen worden sein. Die Vorwürfe seien in ihrer Dimension richtig, meinte der Anwalt. "Das hat sich über Jahre entwickelt." Boerner rechnet damit, dass die Ermittlungen zur Aufklärung der Affäre noch geraume Zeit in Anspruch nehmen. "Wir sind noch ganz am Anfang."
Polizei-Gewerkschaft fordert schärfere Kontrolle
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte eine schärfere Kontrolle des privaten Geldtransportgewerbes. Heros sei zwar in der Dimension einmalig, jedoch kein Einzelfall, sagte der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg. Bereits in der Vergangenheit habe es bei anderen Unternehmen ähnlich gelagerte Vorkommnisse gegeben. Freiberg sieht einen "eklatanten Mangel" staatlicher Kontrollmöglichkeiten über die Geldtransporteure.
Die Geldversorgung im Einzelhandel ist entgegen vieler Befürchtungen jedoch trotz der Pleite stabil. Das erklärte der Geschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), Holger Wenzel. "Die Bargeldlogistik im Einzelhandel läuft problemlos weiter. Die Notfallpläne der Einzelhandelsunternehmen greifen." Die Firmen hätten Transporte und Geldbearbeitung sehr kurzfristig in andere Hände übergeben. HDE-Referentin Katrin Andrae ergänzte, viele Handelsunternehmen hätten in der Vergangenheit bei der Vergabe von Geldtransportaufträgen aus Preisgründen Heros ausgewählt.
Nach den Worten der Verbandsexpertin wird der Fall Heros dazu beitragen, dass sich der Trend zum bargeldlosen Zahlungsverkehr im Handel verstärkt. In den vergangenen drei Jahren hatten mehrere große Handelsgruppen nach jahrelangem Zögern die Kartenzahlung ermöglicht, unter anderem der Discounter Aldi. Dazu müssen die Firmen ihre Kassensysteme zunächst mit hohen Kosten umstellen. Derzeit liefen rund 30 Prozent der Zahlungen im Einzelhandel bargeldlos ab, erläuterte Andrae. Damit liege Deutschland in Europa aber immer noch auf den hintersten Rängen. "Die Deutschen sind Kartenmuffel", sagte die Expertin.
ase/AP/rtr