Warnung von Medizinern Streiks erhöhen Seuchenrisiko
Hannover - Der Streik im Öffentlichen Dienst könnte das Seuchenrisiko weiter erhöhen, warnte der Vorsitzende der Vereinigung, Klaus Wagner, in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Der auf den Straßen herumliegende Müll schaffe ideale Bedingungen für Aasfresser wie Möwen oder Ratten, die sich rasch vermehren und so das Vogelgrippe-Virus weiter verbreiten könnten.
Zwar wisse man noch nicht, ob auch Ratten mit dem gefährlichen H5N1-Virus infiziert werden könnten, räumte Wagner ein. Aber da diese Tiere verschiedene andere Erreger übertragen könnten und das Vogelgrippe-Virus durchaus in der Lage sei, die Artengrenzen zu überspringen, solle man potentielle Gefahren nicht auch noch fördern. "Wir dürfen es nicht dulden, dass einige wenige Leute es in der Hand haben, die Gefährdung zu vergrößern", betonte Wagner.
Ver.di gibt sich kampfeslustig
Der Streik im Öffentlichen Dienst geht dennoch in unverminderter Stärke weiter. In Baden-Württemberg rief die Gewerkschaft Ver.di für heute das Personal in Kindergärten, Schülerhorten, Universitäten, Fachhochschulen und Musikschulen zum Ausstand auf. Allein in Stuttgart bleiben laut der Gewerkschaft 150 von 180 Kindertagesstätten geschlossen.
In Hamburg sind neben Stadtreinigung und Stadtentwässerung nun auch erstmals Angestellte von Schulen, Hochschulen und Polizei zum Ausstand aufgerufen. Hamburgs Schwimmbäder bleiben für einen Warnstreik geschlossen. Auf einer Kundgebung am Mittag wird außerdem Ver.di-Chef Frank Bsirske vor Streikenden aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sprechen. Auch in Westsachsen dauert der Streik der Straßenmeister an. Am Morgen ließen die Mitarbeiter von sieben Straßenmeistereien, die zum Straßenbauamt Zwickau gehören, die Arbeit ruhen.
Bis zum Wochenende will Ver.di auf jeden Fall weiterstreiken - und notfalls auch noch länger. "Der Kampfeswille unter den Arbeitnehmern ist ungebrochen", sagte ein Sprecher der "Berliner Zeitung". Auch finanziell könne die Gewerkschaft noch lange durchhalten. "Selbst wenn der Streik noch zwei Wochen weiter gehen sollte, ist das machbar und finanzierbar." Einziger Grund zur Vermögensbildung in einer Gewerkschaft sei die "Kampffähigkeit im Konfliktfall". Beobachter gehen dem Blatt zufolge davon aus, dass der am 6. Februar begonnene Arbeitskampf Ver.di bisher deutlich über zehn Millionen Euro gekostet habe.
Indes forderte der Deutsche Städte- und Gemeindebund die Gewerkschaft zur Beendigung des Streikes auf. "Ver.di muss jetzt zur Vernunft kommen", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. Durch den "völlig überzogenen Streik" werde der Druck in den Kommunen immer größer, mehr zu privatisieren.
ase/AP/dpa/ddp