DAX War's das?
Es ist fast wie in den Jahren des Börsenhypes: Binnen drei Monaten legte der deutsche Aktienindex Dax um rund 50 Prozent zu - und trotzdem gibt es Experten, die bis Ende des Jahres durchaus noch Potenzial sehen. Der Grund: Aktien waren im Vorfeld des Irak-Kriegs enorm unterbewertet, der größte Teil der Rallye ist also nur eine Korrektur. Tatsächlich hat der Dax, im Vergleich zum Jahresanfang, nicht einmal fünf Prozent zugelegt. Zudem, so glaubt beispielsweise Martin Hüfner, der Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, hätten viele Fonds dem Börsenfrieden seit Ausbruch des Kriegs nicht getraut. Jetzt aber, nachdem die Anteilscheine gerade deutscher Werte so gut gelaufen sind, »werden sich die Fonds noch eindecken, schließlich müssen sie Ende Juni ihre Bestände veröffentlichen«. Und da gelte es, den Anlegern das Gefühl zu vermitteln: »Schaut her, wir waren bei der Rallye mit dabei.« Auch viele Hedgefonds haben seit Mai wieder auf fallende Kurse gesetzt - jetzt müssen sie sich eindecken, um ihre Verluste zu begrenzen. Dass der Boom ungebremst weitergeht, daran glaubt indessen kaum jemand. Eine Konsolidierung sei unausweichlich, meint Ulrich Ramm, der Chefvolkswirt der Commerzbank, »aber danach stehen die Chancen für noch höhere Dax-Stände Ende des Jahres ganz gut«. Er sieht lediglich zwei Risiken: Der Ölpreis sei nach wie vor »ein bisschen zu hoch«, sagt er, hält es aber für gut möglich, dass die Preise für das schwarze Gold in der zweiten Jahreshälfte etwas nachgeben. Außerdem ist der Euro noch sehr stark, was die Exporte vor allem in die USA belaste. Ramm rät deshalb, wie auch andere, zu Unternehmen, die eher von günstigen Importen profitieren.