WCM-Kurssturz Dolchstoß mit Ansage
Der Grund für den Aktien-Massenverkauf liegt nach einem Bericht der "Börsen-Zeitung" in einem ungeheuren Schuldenberg, den Ehlerding angehäuft haben soll. Angeblich steht der Immobilienmann mit rund 500 Millionen Euro in der Kreide.
Mit dem angekündigten Verkauf des Aktienpakets von Ehlerding rauschte die Aktie am Mittwoch erneut in den Keller. Der Großaktionär räumte nach Informationen der "Börsen-Zeitung" ein, dass eine von sechs Banken, über die er seine Kredite bezieht, ohne sein Wissen und vorherige Absprache Aktien der Beteiligungsgesellschaft verkauft habe. Vergangene Woche hätte er mit den Banken ein "Stillhalteabkommen" getroffen, dem zufolge er bis zu 25 Prozent seiner WCM-Aktien zu einem Preis von rund vier Euro abgeben solle. Damit würden sich seine privaten Schulden um die Hälfte auf 250 Millionen Euro reduzieren.
Auch die Prognose von WCM-Vorstandchef Flach weckte nicht eben das Vertrauen der Investoren. Wenn der Markt so schwach bleibe, werde es nach seinen Worten schwer werden, die prognostizierten 150 Millionen Euro beim operativen Ergebnis zu erreichen. Auf Seiten des Beteiligungsgeschäfts sei in diesem Jahr nicht viel zu erwarten, sagte Flach der "Börsen-Zeitung". Die Märkte fassten diese Aussagen als verkappte Gewinnwarnung auf. Die Aktie stürzte bis zum Mittag um 15 Prozent auf 3,36 Euro ab. Das Tagestief lag bei 3,19 Euro: ein Verlust von knapp 20 Prozent.
Unterdessen stuften auch die Analysten vom Investmenthaus Concord Effekten am Mittwoch die WCM-Aktie von "Kaufen" auf "Verkaufen" ab. Vor dem Hintergrund der neuen Nachrichten sagten die Experten, offenbar habe WCM ihren Commerzbank-Anteil zu teuer bezahlt und das Immobiliengeschäft laufe auch schlecht.
Der Kurs von WCM war bereits in der Vergangenheit stark eingebrochen. Wesentlicher Grund dafür war eine Studie der United Zurich Finance (UZF), die Spekulationen um die Bilanzierung ausgelöst hatte. Flach hatte sich nach Kräften gewehrt und in einem Interview mit manager-magazin.de der UZF vorgeworfen, sie habe mit der Verkaufsempfehlung versucht, die Aktie im Auftrag von Hedgefonds zur drücken. Er kündigte eine Klage gegen die Schweizer Vermögensverwaltung an. Gut zwei Wochen später wiederrief UZF die Kurzstudie und empfahl das Papier nun zum Kauf. Mysteriös begründeten sie dies damit, man habe den Unternehmenswert zu niedrig angesetzt.
Aus dem Verkauf des 25-Prozent-Pakets versucht Flach nun das Beste zu machen. Den Einstieg eines strategischen Investors bewerte er als positiv. Er könnte das Immobiliengeschäft stärken, sagte er der "Börsen-Zeitung". Den Abschluss der Transaktion erwarte er im Herbst. Flach forderte indes, zwischen WCM und dem Privatmann Ehlerding zu unterscheiden.
Der Vorstandschef räumte darüber hinaus ein, dass sich WCM bei ihrem Commerzbank-Bank-Einstieg verschätzt habe. Aktuell stehe aber ein Verkauf der Anteile nicht an. Derzeit kaufe WCM auch nicht weiter hinzu. Mit Blick auf die derzeitige Börsensituation sei es wichtiger, die Liquidität im Konzern zu halten. Bis zu dem Erreichen des Ziels, den Anteil an der Bank auf rund zehn Prozent aufzustocken, bleibe noch genügend Zeit.