Web-Krisenfall AOL streicht 5000 Stellen
New York - Die Tochtergesellschaften in Europa seien vom Stellenabbau bei AOL besonders betroffen, meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Hier müssten 3000 Mitarbeiter des Unternehmens gehen, voraussichtlich innerhalb der nächsten sechs Monate. Insgesamt sollen rund 5000 der weltweit 19.000 Stellen gestrichen werden, wie AOL bekannt gab.
Erst gestern hatte AOL erklärt, dass der Verkauf seines Internet-Zugangsgeschäfts in Europa bis zum Herbst abgeschlossen sein soll. AOL-Chef Jonathan Miller sagte: "Das Verkaufsverfahren, das unser Geschäft in Großbritannien, Deutschland und Frankreich getrennt erfasst, macht Fortschritte."
Für das Internet-Zugangsgeschäft von AOL Deutschland seien neben United Internet und Freenet die Telecom Italia, KPN und Versatel für die nächste Bieterrunde ausgewählt worden, meldet Reuters. Mitte August würden die Gebote in der zweiten Runde erwartet. Für das britische AOL-Zugangsgeschäft böten BSkyB, Orange und Carphone Warehouse. In exklusiven Gesprächen für das französische Zugangsgeschäft von AOL ist Neuf Cegetel. Das Unternehmen biete rund 300 Millionen Euro, hieß es in den Kreisen.
Zugleich leitete AOL einen Strategiewechsel ein. Seinen Breitbandkunden will das Unternehmen keine Gebühren mehr für E-Mail- und andere Internetdienste berechnen. So will die Time Warner-Tochter mehr Besucher auf ihre Seiten locken und mit Werbung Geld verdienen.
AOL will mit seinem Gratis-Angebot nach eigenen Angaben vor allem Nutzer ansprechen, die über andere Anbieter ins Internet gehen, aber ihre E-Mail-Adresse bei AOL behalten wollen. "Das ist für AOL der logische nächste Schritt, um von dem explosiven Anstieg von Breitbanddiensten und Internet-Werbung zu profitieren", sagte der für das Tagesgeschäfts zuständige Vorstand und Time Warner-Präsident Jeff Bewkes.
AOL hatte viele seiner Kunden an Konkurrenten wie Google und Yahoo verloren, die diese Dienste schon lange umsonst anbieten. AOL trägt so entscheidend zum Schicksal des ganzen Konzerns bei: Time Warner-Aktien rutschten wegen der Probleme bei AOL zuletzt auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren.
itz/Reuters