Wechsel Henke führt Marburger Bund
Berlin - Montgomery hatte die Organisation 18 Jahre lang geführt und war für eine Wiederwahl nicht noch einmal angetreten. Henke, Mediziner und CDU-Landtagsabgeordnete in Nordrhein-Westfalen, sagte, der Marburger Bund habe "eine enorme Entwicklung absolviert". Er stehe dafür ein, dass der Verband als Ärztegewerkschaft "aktiv bleibt". Er wolle die in den Tarifauseinandersetzungen 2005 und 2006 erworbene Rolle als Ärztegewerkschaft stärken. Anfang 2008 könnten neue Vergütungen mit den kommunalen Arbeitgebern ausgehandelt werden, 2009 stehen dann die Tarifverhandlungen mit den Ländern an.
144 von 177 Delegierten wählten den 53-Jährigen für zwei Jahre in sein Amt, wie die Ärztegewerkschaft mitteilte. Henke war seit 1989 zweiter Bundesvorsitzender des Marburger Bundes. Er ist zudem seit 1991 erster Vorsitzender des mitgliederstärksten Landesverbandes Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz und seit 1995 Mitglied des Vorstandes der Bundesärztekammer. Neuer zweiter Vorsitzender des Marburger Bundes ist der Münchner Chirurg Andreas Botzlar.
In Montgomerys Amtszeit wuchs die Ärztegewerkschaft um mehr als 25.000 auf deutlich über 100.000 Mitglieder an. Im September 2005 war der Marburger Bund aus der langjährigen Zusammenarbeit mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ausgeschert und hatte im Vorjahr eigene Tarifverträge für die Klinikärzte erstritten.
Es wird davon ausgegangen, dass Montgomery Nachfolger von Ärztekammerpräsident Jörg-Dietrich Hoppe werden möchte. Dazu hatte der 55-Jährige zuletzt betont, diese Frage stelle sich frühestens in dreieinhalb Jahren, wenn Hoppes Amtszeit auslaufe. Als Vizepräsident der Bundesärztekammer sei er aber wohl "in der Lage, so etwas zu machen".
Rudolf Henke: Arzt, Politiker und Gewerkschaftsführer
Gerne zitiert der neue Vorsitzende des Marburger Bundes den Berliner Mediziner Rudolf Virchow, der an der Berliner Charité arbeitete und auch Abgeordneter im Deutschen Reichstag war. "Virchow hat ja mal gesagt, dass die Politik im Grunde Medizin im Großen sei", sagte Henke.
Leicht dürfte es für den Internisten, der seit 1995 auch für die CDU Aachen im Landtag sitzt, zunächst einmal nicht werden. Sein medienwirksamer Vorgänger Frank Ulrich Montgomery ließ ihm bislang wenig Gelegenheit zur öffentlichen Profilierung. Auch gibt es intern Vorbehalte gegen Henke wegen seiner parteipolitischen Tätigkeit. Henke sieht darin aber kein Problem.
Es gehe nicht um eine parteipolitische Debatte, sagte er. Andererseits wäre es blauäugig anzunehmen, dass sich in der Gesundheitspolitik ohne Kontakte in die Parteien etwas erreichen lasse, meinte der Internist.
jjc/AP/dpa