Wechselwirkung: DIW-Ökonom soll Gewerkschaften Profil verleihen - DER SPIEGEL
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Wechselwirkung DIW-Ökonom soll Gewerkschaften Profil verleihen

Bei Konjunkturprognosen und –programmen dominieren in Deutschland die Reformbefürworter. Dem will die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung nicht mehr tatenlos zuschauen. Die Verantwortlichen planen ein eigenes Forschungsinstitut. An der Spitze soll DIW-Ökonom Gustav Horn stehen.
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Berlin/Hamburg - "Wir wollen unsere Stimme im Chor der Konjunkturforscher stärken", sagte Nikolaus Simon, Sprecher der Geschäftsführung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, gegenüber SPIEGEL ONLINE. Gleichzeitig bestätigte Simon einen Bericht der "Financial Times Deutschland", wonach die Stiftung mit dem bisherigen Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Gustav-Adolf Horn, verhandelt. Unter seiner Führung soll möglicherweise ein neues Forschungsinstitut entstehen.

"Dies ist nur eine von mehreren Varianten, die wir derzeit durchrechnen", sagte Simon weiter. Zu Alternativen wollte er sich nicht äußern, ebenso wenig zum geplanten Budget und zur Zahl der Mitarbeiter des neuen Instituts. Die Zustimmung der zuständigen Gremien stehe noch aus. In den kommenden Wochen werde es eine Entscheidung geben.

Dominanz der Reformbefürworter

Mit dem Aufbau einer eigenen Konjunkturforschung mit Horn als Galionsfigur reagiert die Stiftung auf die Dominanz der Reformbefürworter bei den wichtigen Instituten. So spricht sich der Großteil der deutschen Forscherprominenz für den Umbau des Sozialstaates aus, beziehungsweise fordert weitergehende Änderungen.

Die Böckler-eigene Forschungsstelle, das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI), findet mit ihren Vorschlägen und Prognosen dagegen kaum Gehör. "Natürlich wollen wir von Gustav-Adolf Horns Renommee profitieren. Wir hoffen so, mit unseren makroökonomischen Thesen eine bessere Resonanz zu erzielen", sagte Stiftungssprecher Simon.

Horn verlässt das DIW im Streit

Horn verlässt das DIW nach einem Zerwürfnis mit Institutschef Klaus Zimmermann zum Jahresende. Laut Presseberichten soll Zimmermann verärgert gewesen sein über öffentliche Auftritte Horns, bei denen dieser unter anderem für Konjunkturprogramme eintrat. Der Institutsleiter soll zuletzt an der wissenschaftlichen Qualifikation seines Konjunkturchefs gezweifelt haben.

Horn, der dem DIW insgesamt 18 Jahre lang angehört hatte, gehört zu den bekanntesten deutschen Konjunkturforschern. Der Ökonom war bislang auch regelmäßig an der Erstellung der gemeinsamen Konjunkturprognosen der großen deutschen Forschungsinstitute beteiligt und nahm als Vertreter der nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik oft eine Minderheitenposition ein.