Weihnachtsgeld: Gewerkschaften drohen mit Kampf - DER SPIEGEL
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Weihnachtsgeld Gewerkschaften drohen mit Kampf

Die Ankündigung vieler Betriebe, ihren Beschäftigen das Weihnachtsgeld zu kürzen, mussten die Gewerkschaften in der vergangenen Woche zähneknirschend hinnehmen. Im Gegenzug kündigten einige Funktionäre jetzt eine umso härtere Gangart bei den nächsten Tarifverhandlungen an.
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Frankfurt am Main - "Weihnachtsgeld ist kein Almosen. Wer tarifliche Sonderleistungen streicht, muss mit höheren Lohnforderungen in der nächsten Tarifrunde rechnen", erklärte der DGB-Tarifexperte Reinhard Dombre der "Bild"-Zeitung. Wenn zusätzlich Sozialreformen ins Nettoeinkommen schnitten, erhöhe dies den Erwartungsdruck der Mitglieder.

Auch der nordrhein-westfälische Landeschef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Hartmut Limbeck, forderte Wiedergutmachung: "Die Beschäftigten werden von Regierung und Arbeitgebern einseitig zur Kasse gebeten - ob bei Rente, Gesundheit oder Weihnachtsgeld. Immer mehr an der Basis wollen dafür einen kräftigen Ausgleich."

Von Seiten der Arbeitgeber dürften sie dabei wenig Entgegenkommen zu erwarten haben. Diese erneuerten vielmehr ihren Aufruf zur Mäßigung. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt äußerte die Hoffnung, dass die bevorstehende Tarifrunde 2004 dazu beitrage, Deutschland aus der Wirtschaftskrise herauszuführen.

In diesem Zusammenhang geht es Hundt aber nicht allein um die Höhe der Arbeitsentgelte. Er appellierte an die IG Metall, die dringend notwendigen Signale für mehr Flexibilität zu setzen, statt eine harte Lohnrunde anzukündigen. "Wir brauchen die Rückkehr zu einer produktivitäts- und beschäftigungsorientierten Tarifpolitik", sagte er der "Berliner Zeitung". "Wir werden in Deutschland länger arbeiten müssen und brauchen deshalb Optionen für Betriebe, die Arbeitszeit selbst regeln zu können".

Auch der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel forderte die Gewerkschaften zu mehr Flexibilität auf. "Die Betriebe müssen Arbeitszeit und Löhne an die Situation der jeweiligen Sparte, der Region und des eigenen Betriebs anpassen können", sagte der CDU-Politiker. Die letzte Tarifrunde sei in dieser Hinsicht unverantwortlich gewesen. Den Bundeskanzler rief Teufel dazu auf, sich aus der Umklammerung der Gewerkschaften zu lösen.

Im Streit um mögliche Eingriffe in die Tarifautonomie warnte unterdessen der DGB-Vorsitzende Michael Sommer Bundeskanzler Gerhard Schröder vor einem "Spiel mit dem Feuer": "Ich empfehle ihm: Das sollte er lassen", sagte Sommer in einem Interview mit dem "Focus". Die Äußerungen des SPD-Vorsitzenden zu gesetzlichen Änderungen des Tarifvertragsrechts seien bislang nicht eindeutig. Zwar versichere Schröder, die Tarifautonomie bleibe unangetastet. Gleichzeitig sage er aber auch, Klarstellungen seien nötig. Sommer betonte dagegen, die Tarifparteien seien jederzeit in der Lage auszuhandeln, was sie tun oder lassen.