Weihnachtsgeld-Vergleich: Der unsichere Segen - DER SPIEGEL
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Weihnachtsgeld-Vergleich Der unsichere Segen

Bekommen Sie genug Weihnachtsgeld? In vielen Firmen gibt es dieses Jahr weniger - trotz des viel gefeierten Aufschwungs. SPIEGEL ONLINE zeigt, wer wieviel zahlt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Mit dem Weihnachtsgeld ist es so eine Sache - vom Fest der Liebe und Versöhnung kann da oft keine Rede mehr sein. In so mancher Firma wird der Bonus als Leistungsprämie gezahlt, so dass schnell neidisch das eigene Präsent mit dem des Kollegen verglichen wird. Bei Arbeitgebern ist der Weihnachtsbonus außerdem häufig nicht allzu beliebt - denn er kann ziemlich folgenreich sein. So hat ein Chef, der seinen Mitarbeiter drei Jahre hintereinander den finanziellen Weihnachtssegen zugesteht, schnell einklagbares Gewohnheitsrecht geschaffen.

Oft wird die Höhe des 13. Monatsgehalt deshalb schlicht vertraglich festgehalten, oder aber es wird auf jede erdenkliche Weise erklärt, dass die Zahlung freiwillig und die Summe ganz im Ermessen der Firmenoberhäupter liegt. Für Facharbeiter ist die Weihnachtsprämie oft im Tarifvertrag geregelt: Immerhin 1000 bis 2000 Euro haben die meisten auf diese Weise zusätzlich im Geldbeutel, berichtet das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in seiner Zeitung "iwd" . Den Angestellten der Druckindustrie etwa sichern die Tarifverträge demnach satte 95 Prozent eines Monatsgehalts als Weihnachtsbonus zu. In Westdeutschland bleiben einem ausgebildeten Arbeitnehmer in der Branche so vor Steuern 2187 Euro als Weihnachtsplus, in Ostdeutschland sind es 1957 Euro.

In manchen Wirtschaftszweigen allerdings hängt die Höhe der Sonderzahlung trotz des Tarifvertrags von der Situation des Unternehmens ab. Banken können je nach Lage zwischen 90 bis 120 Prozent eines Monatslohns zahlen - die Entscheidung wird gemeinsam mit dem Betriebsrat gefällt. Ähnlich flexible Regeln gelten für Tourismus- oder Chemieindustrie. In Textilunternehmen kann der Bonus sogar komplett gestrichen werden, ebenso in der Metall- und Elektroindustrie, allerdings muss hier die Gewerkschaft IG Metall zustimmen.

Insgesamt wird trotz des viel gefeierten Aufschwungs das Dezember-Plus auf dem Gehaltszettel bei vielen im Vergleich zum Vorjahr eher dürftig ausfallen. Viele Firmen, denen es in den vergangenen Jahren schlecht ging, haben im Rahmen von Standortvereinbarungen beschlossen, die Sonderzahlung über mehrere Jahre hinweg zusammenzustreichen.

So ergab eine kürzlich im Auftrag des "Stern" durchgeführte Forsa-Umfrage denn auch, dass fast die Hälfte der Deutschen dieses Jahr mit weniger Weihnachtsgeld rechnen muss als vergangenes Jahr. 27 Prozent der Befragten erklärten sogar, gar nichts zu bekommen. Etwa zwölf Prozent sagten, sie bekämen weniger als im Vorjahr. Nur acht Prozent rechneten mit einem üppigeren Weihnachtspräsent ihres Arbeitgebers. 15 Prozent erklärten, sie hätten ohnehin noch nie etwas bekommen.

ase