Weizen gedroschen - DER SPIEGEL
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INVESTMENT-HANDEL Weizen gedroschen

Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen hat 74 Auslandsfonds auf ihre Bonität überprüft. Nur sieben bestanden.
• aus DER SPIEGEL 31/1971
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Ingelore Bähre, stellvertretende Chefin des Bundesaufsichtsamts für das Kreditwesen, lobte sich selber: »Die schlimmsten Auswüchse sind inzwischen weg.«

Die Beamtin untertreibt. Denn eineinhalb Jahre, nachdem Bonn sein Auslandsinvestmentfonds-Gesetz erlassen hat, und ein Jahr nach der Beinahe-Pleite der IOS bricht der einst blühende Handel mit seriösen und -- häufiger -- unseriösen Wertpapieren zusammen. Der Absatz ausländischer Wertpapiere sackte von zwei Milliarden Mark (1969) auf ganze 18 Millionen im vergangenen Jahr. Und in den ersten fünf Monaten dieses Jahres mußten die Verkäufer ausländischer Fonds und ihre Bosse sogar einen Minussaldo von 51 Millionen Mark verbuchen, weil immer mehr enttäuschte Sparer ihre Zertifikate gegen Bargeld an die Fonds zurückgeben.

Walter Koch, Präsident des Bundesverbandes Investmentvertrieb Deutschland, klagte letzte Woche: »Uns laufen die Leute davon, weil sie entmutigt sind.« Der Münchner Fonds-Manager Urs Zondler lamentierte: »Der Markt für ausländische Investmentzertifikate ist so gut wie tot.«

Für den endgültigen Exitus jenes Marktes, der einst raschen Reichtum verhieß und in dem häufig notdürftig angelernte Ex-Minister, Friseure und Staubsauger-Vertreter reüssierten, könnten in der Tat Ingelore Bähre und ihre Gehilfen sorgen. Denn im Auftrag der Bonner Regierung siebt ihr Amt die 148 Fonds, die sich in Deutschland nach dem Auslandsinvestment-Gesetz registrieren lassen müssen.

Nachdem die Hälfte der »Exoten« (Branchenjargon) überprüft wurde -- die ausländischen Fonds müssen zum Beispiel eine deutsche Depotbank benennen, einen deutschen Repräsentanten haben und strenge Vorschriften über ihre Anlagepolitik erfüllen -, befanden die Kontrolleure nur sieben Ausländer für gesellschafts- und vertriebsfähig.

Die übrigen 74 zur Registrierung angemeldeten Auslandsfonds haben nach Ansicht der Fachleute nur eine geringe Chance, die Prüfung zu bestehen.

Selbst streng überwachte US-Fonds werden es in Deutschland schwer haben. Denn obgleich diese Investmentgesellschaften das Gütesiegel der Washingtoner Securities and Exchange Commission (SEC) tragen, sieht Leitende Regierungsdirektorin Bähre »auch hier einen Haken«. Denn nach amerikanischem Recht brauchen USA-Fonds bei Rückgabe der Papiere durch den Kunden den Gegenwert nicht auszuzahlen, sondern können dafür auch Wertpapiere aus ihrem Portefeuille zurückreichen. Das deutsche Recht hingegen schreibt Barabfindung zwingend vor.

Nutznießer der Aktion sauberes Investment sind vor allem die deutschen Banken und ihre Fonds, deren Absatz in den letzten Jahren wegen der unattraktiven Wertsteigerungen und der kargen Ausschüttungen die Erwartungen nicht erfüllte. Deutsch-Bankier Franz Heinrich Ulrich (Akkumula, Inrenta, Inter-Renta, Intervest und Investa) zeigte sich zufrieden: »Die staatlichen Stellen wollten uns früher nicht abnehmen, daß Investment-Kunden besser geschützt werden müssen als Käufer von Staubsaugern und Haarwuchsmitteln. Wir haben deshalb von Anfang an gefordert, die Spreu vom Weizen zu sondern.«

Nachdem die Spreu aus dem Ausland nun ausgedroschen ist, will sich Ulrich um den eigenen Weizen kümmern. Erste Erfolge glaubt er ausgemacht zu haben: »Die deutschen Fonds-Manager sind wesentlich munterer geworden.«

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