Weltbank-Studie: Afrika droht durch Aids der Kollaps - DER SPIEGEL
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Weltbank-Studie Afrika droht durch Aids der Kollaps

Manche Landstriche sind entvölkert, Generationen sterben weg: Das Aids-Virus wütet in großen Teilen Afrikas. Das ist nicht nur eine menschliche Tragödie. Für einige Volkswirtschaften könnten die Folgen der Seuche den Ruin bedeuten, wie eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Heidelberg und der Weltbank belegt.
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Washington - In ihrem Dokument* beschreiben die Forscher ein düstereres Szenario als vergleichbare Studien der letzten zehn Jahre. Falls das Virus nicht bekämpft wird, steuern demnach selbst die wohlhabendsten Länder Afrikas auf einen Wirtschaftskollaps zu. In Südafrika zum Beispiel, wo bereits 20 Prozent der arbeitenden Bevölkerung mit Aids infiziert sind, würde sich das Durchschnittseinkommen bis zum Jahr 2050 halbieren.

Die meisten Studien der vergangenen zehn Jahre rechnen damit, dass Aids das Wirtschaftswachstum in Afrika um 0,3 bis 1,5 Prozent pro Jahr verringert. Nach den neuen Ergebnissen ist das zu niedrig. "Frühere Studien haben die wirtschaftlichen Zusammenhänge und die Langzeitfolgen zu wenig beachtet", kritisiert Hans Gersbach, Wirtschaftsprofessor an der Universität Heidelberg und Co-Autor der Studie.

Bisher ging man davon aus, dass ein geringeres Angebot an Arbeitskräften in Folge einer Epidemie die Löhne ansteigen ließe. Außerdem nahm man an, die Überlebenden würden vom freieren Zugang zu Land und Kapital profitieren, der volkswirtschaftliche Schaden dadurch abgemildert. Die neue Studie verabschiedet sich von dieser Theorie.

Sie stellt fest, dass Aids für Gesellschaft und Volkswirtschaft bedrohlicher ist als bisher erwartet, weil vor allem junge Menschen an dem Virus erkranken und sterben. Sie können ihre Kinder nicht mehr erziehen und ihr Wissen nicht an die folgenden Generationen weitergeben. Laut einem Bericht des Uno-Entwicklungsprogramms (UNDP) leben schon heute 13 Millionen Aids-Waisen in Afrika.

Bereits jetzt sind in den Sub-Sahara-Ländern rund 30 Prozent der arbeitenden Bevölkerung infiziert. In keinem anderen Teil der Welt sind die Folgen der Seuche so verheerend. 2,4 Millionen Kranke sind dort letztes Jahr an dem Virus gestorben.

Falls die Verbreitung so weitergeht, rechnet die Uno mit täglich 13.000 Aids-Toten auf dem Schwarzen Kontinent im Jahr 2005. Das wären doppelt so viele wie heute. Nur fünf Prozent bekommen die notwendigen Medikamente; eine Heilung gibt es noch immer nicht.

"Wenn der Kampf gegen die Epidemie in Ländern wie Südafrika nicht umgehend aufgenommen wird, könnte das Land innerhalb weniger Generationen auf den wirtschaftlichen Kollaps zusteuern", sagt Shanta Devarajan, Co-Autorin der Weltbank-Heidelberg-Studie.

In einigen Sub-Sahara-Ländern sind die konkreten Folgen bereits sichtbar. Berichten zufolge führt der Mangel an qualifizierten Technikern dazu, dass Mängel im Telefonsystem nicht mehr repariert werden.

Dass eine Überwindung der Epidemie dennoch möglich ist, hat Uganda gezeigt. Hier haben sich die Infektionsraten in den vergangenen 20 Jahren nicht nur stabilisiert, sondern sind sogar rückläufig. Zwar ist die Gültigkeit der Statistiken umstritten. Doch der Trend ist klar: Im Gegensatz zu anderen Ländern im südlichen Afrika, wo Aids weiter auf dem Vormarsch ist, fiel die Infektionsrate in Uganda auf weniger als fünf Prozent.

Die Gründe für Ugandas Erfolg sind vielschichtig: Ganz oben steht nach Ansicht von Experten die weitsichtige Regierungspolitik, die sich - auch unter dem Druck der Weltbank - frühzeitig um Gesundheitsfürsorge kümmerte.

* The Long-run Economic Costs of AIDS: Theory and an Application to South Africa. Clive Bell and Hans Gersbach, Universität Heidelberg; Shantayanan Devarajan, Weltbank.