Weltbank: Vorstand hält Wolfowitz für untragbar - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Weltbank Vorstand hält Wolfowitz für untragbar

Der Rücktritt von Weltbank-Chef Paul Wolfowitz scheint nur noch eine Frage der Zeit. Einem Zeitungsbericht zufolge ist inzwischen auch der Vorstand des Instituts überzeugt, dass Wolfowitz gegen Vorschriften verstoßen hat und nicht länger tragbar ist.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Washington - Die Vorstandsmitglieder wollten aber nicht über Wolfowitz' Entlassung entscheiden, weil dies zum Bruch mit der US-Regierung führen könnte, berichtete die US-Tageszeitung "Washington Post" am Samstag. Vielmehr wolle der Vorstand in einer Entschließung zum Ausdruck bringen, dass er das Vertrauen in Wolfowitz verloren habe. Der Vorstand setze darauf, dass die US-Regierung dem Weltbank-Präsidenten dann ihr Vertrauen entziehen und ihn zum Rücktritt drängen werde, hieß es.

Wolfowitz, der wegen Vetternwirtschaft in Verruf ist, stelle gerade eine schriftliche Antwort auf die Vorwürfe fertig, berichtete die "Washington Post". Er solle am Dienstag vor dem Vorstand auftreten, und das Misstrauensvotum werde bald darauf erwartet. Die US-Regierung hatte Wolfowitz bislang den Rücken gestärkt. Während US-Präsident George W. Bush aber zunächst selbst sagte, der Weltbank-Chef solle im Amt bleiben, erklärte ein Regierungssprecher am Dienstag lediglich, die Regierung unterstütze Wolfowitz noch.

Der eigens gegründete Ethikausschuss der Weltbank hatte unlängst festgestellt, dass Wolfowitz sich nicht an die Vorschriften gehalten habe, als er seiner Lebensgefährtin Shaha Riza eine Gehaltserhöhung von 60.000 Dollar (rund 44.000 Euro) pro Jahr sowie einen Beförderungsanspruch bewilligte. Um einen Interessenkonflikt zu vermeiden, wurde Riza ins US-Außenministerium versetzt, nachdem Wolfowitz im Juni 2005 den Vorsitz der Weltbank übernommen hatte. Sie wird aber weiterhin von der Weltbank bezahlt.

mik/AFP