Weltbevölkerung: Paris will mit internationaler Steuer Armut bekämpfen - DER SPIEGEL
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Weltbevölkerung Paris will mit internationaler Steuer Armut bekämpfen

Frankreich setzt auf eine internationale Steuer auf Treibhausgase, Waffen oder Flugbenzin, um die Armut in den Entwicklungsländern zu bekämpfen. Um das von der Uno gesetzte Ziel zu erreichen, die extreme Armut bis 2015 zu halbieren, seien kreative Lösungen nötig. Washington plädiert dagegen für einen Schuldenerlass.
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Paris/Washington - Nach Auffassung einer vom französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac eingesetzten Kommission müssten jährlich mindestens 50 Milliarden Dollar aufgebracht werden, damit die Ziele der Uno erreicht werden könnten. Die Kommission schlug vor, den Einsatz von Stoffen zu besteuern, die zum Treibhauseffekt beitragen. So könnten beispielsweise der Luft- und Seetransport, Finanzgeschäfte oder internationale Waffenverkäufe finanziell belastet werden.

Diese Alternativen seien technisch möglich, erforderten aber eine politische Unterstützung, die namentlich in den USA derzeit fehle, hieß es. Chirac wird die Vorschläge der Kommission voraussichtlich am 20. September in New York einer Entwicklungskonferenz vortragen.

Die USA streben hingegen einen internationalen Schuldenerlass in Höhe von vielen Milliarden Dollar für die ärmsten Länder an, wie heute die "Washington Post" berichtete. Ein Sprecher des Internationalen Währungsfonds sagte, dass dieses Thema "mit Sicherheit" bei der bevorstehenden Jahrestagung von IWF und Weltbank am 2. und 3. Oktober in Washington auf der Tagesordnung stehen werde. Die Finanzminister der G-8-Staaten werden am Vortag der Tagung zusammenkommen, und es wird erwartet, dass sie sich ebenfalls mit der Frage des Schuldenerlasses beschäftigen werden.

Der Plan war der "Washington Post" zufolge erstmals im Juni beim G-8-Gipfeltreffen in den USA zirkuliert, stieß aber bei zahlreichen Entscheidungsträgern auf Widerstand. Seitdem sei es den USA gelungen, breitere Unterstützung zu gewinnen. Der Plan muss von den 184 Mitgliedern des IWF und der Weltbank gebilligt werden. Beide Finanzeinrichtungen würden Milliarden Dollar verlieren, sollte die Initiative in die Tat umgesetzt werden.

Städte wachsen - Armut nimmt zu

Laut der Uno-Organisation für Siedlungsfragen (Uno-Habitat) werden in 25 Jahren zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben. Derzeit sei es noch die Hälfte, teilte die Organisation heute in Genf mit. Wohnten im Jahr 2000 noch 2,86 Milliarden Menschen in Städten, werden es 2030 fast fünf Milliarden sein. Gleichzeitig nehme die Armut zu, und die soziale Absicherung gehe zurück. 2003 gab es 39 Städte mit mehr als fünf Millionen Einwohnern und 16 mit mehr als zehn Millionen. Der Bericht wurde anlässlich des Weltforums der Städte in dieser Woche in Barcelona veröffentlicht.

Die Armut nimmt dem Bericht zufolge auch in den Städten reicher Länder zu. Bereits im Winter 2003 war die Zahl der Obdachlosen in Westeuropa mit drei Millionen Menschen so hoch wie seit 50 Jahren nicht mehr. In den USA sind derzeit rund 3,5 Millionen Menschen obdachlos, darunter 1,4 Millionen Kinder. Zu den größten Metropolen der Welt gehören Mexiko-City (mehr als 18 Millionen), Sao Paulo (17,9) und Buenos Aires (zwölf).