Welteke-Affäre: Interimschef der Bundesbank rüffelt die Regierung - DER SPIEGEL
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Welteke-Affäre Interimschef der Bundesbank rüffelt die Regierung

Jürgen Stark, kommissarischer Präsident der Bundesbank, hat seinen Amtsantritt mit deutlichen Worten garniert. Er verbittet sich die ständige Einflussnahme von Seiten der Bundesregierung.
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Mainz - Stark ließ in einem Fernsehinterview keinen Zweifel an seinem Ärger über die ständigen verbalen Attacken der Regierung. "Uns hat schon beeinträchtigt, dass in regelmäßigen Abständen Kommentare von Seiten Berlins und Erwartungen geäußert wurden, die man als Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit und Unabhängigkeit der Bundesbank werten könnte", sagte er dem ZDF.

Seinen Worten zufolge ist die Chefetage der Bundesbank momentan in Krisenstimmung. "Wir befinden uns nicht in einem Normalzustand. Wir haben erhebliche Probleme, zur Sacharbeit zurückzukehren", so Stark. Dennoch hält er die Behörde, deren einstweiliger Chef er seit gestern Abend ist, für "voll funktions- und entscheidungsfähig". Seinen bisherigen Chef Ernst Welteke kritisierte Stark für dessen anfängliche Hinhaltetaktik. "Das Eingeständnis, dass Fehler begangen wurden und dass man eine Korrektur beabsichtigt, wäre zu Beginn der Angelegenheit hilfreicher gewesen."

Zwischen Bundesregierung und Bundesbank ist ein handfester Streit über die weitere Zukunft von Welteke entbrannt. "Die Bundesregierung geht davon aus, dass der Bundesbankpräsident in seiner Verantwortung vor dem Amt und der Institution Bundesbank die notwendigen Konsequenzen ziehen wird", erklärte das Finanzministerium am Mittwochabend. "Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass sowohl das Amt des Bundesbankpräsidenten als auch die Bundesbank als Institution vor weiterem Schaden bewahrt werden müssen. Dies gebietet ihre Stellung gegenüber den Finanzmärkten als auch die Mitgliedschaft im Rat der EZB."

Welteke hatte sich und seiner Familie zum Jahreswechsel 2001/2001 einen mehrtägigen Aufenthalt im Berliner Luxushotel Adlon von der Dresdner Bank zahlen lassen. Nachdem dies am Wochenende bekannt geworden war, hatte sich der Bundesbankchef mehrere Tage lang nicht entschuldigt und stur an seinem Amt festgehalten. Gestern forderte ihn der Bundesbank-Vorstand nach einer siebenstündigen Sitzung auf, seine Ämter vorerst ruhen zu lassen.

Mittlerweile ermittelt auch die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen Welteke wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsnahme. Nach Informationen des SPIEGEL nahm Welteke überdies die Einladungen anderer Noten- und Geschäftsbanken zu mehreren Wiener Opernbällen an und nutzte diese Besuche auch für längere Aufenthalte.