Weltgaskongress Gasprom gibt sich unberechenbar
Moskau - Gestern hatte Gasprom auf dem Weltgaskongress in Amsterdam indirekt noch vor neuen Lieferengpässen auch bei der Versorgung Westeuropas gewarnt. Hintergrund ist ein erneuter Streit mit der Ukraine: Die Ukraine fülle ihre unterirdischen Gaslager zu schleppend auf, so der Konzern. Vom Fülldruck in den Speichern hänge aber die störungsfreie Belieferung ukrainischer wie auch europäischer Kunden in der Heizsaison ab. Heute sprach Gasprom-Chef Alexej Miller dann von einer garantiert sicheren Versorgung des Westens "Wir haben unsere Verträge immer voll erfüllt", erklärte er.
Auf dem Weltgaskongress offenbart sich die unberechenbare Energie-Politik des Energieversorgers und der zuständigen russischen Politiker in ihrer ganzen Stärke. So hatte Russland gestern Kunden auch davor gewarnt, sich nach anderen Energie-Anbietern umzuschauen. "Wenn wir sehen, dass die nachfragenden Märkte sich um eine Diversifizierung bei ihren Energiequellen bemühen, wird dies unausweichlich zu einer Diversifizierung auf der Angebotsseite führen", erklärte Energieminister Viktor Christenko. Russland hatte bereits früher betont, seine Gas- und Öllieferungen von Europa nach Asien umleiten zu können.
Das Hin- und Her und die verklausulierten Drohungen dürften die westeuropäischen Teilnehmer des Kongresses besonders beunruhigen, wurde hier doch ihre starke Importabhängigkeit wieder überdeutlich. Allein für Europa werde mit einem Anstieg des Importanteils beim Gas von 48 Prozent im Jahr 2002 bis auf einen Anteil von 80 Prozent im Jahr 2030 gerechnet, sagte der niederländische Wirtschaftsminister Laurens Jan Brinkhorst schon zur Eröffnung.
Christenko wies auf die immensen Investitionen vor allem in die Transportkapazitäten hin, die für eine künftige Gasversorgung notwendig seien. Russland sei bereit, auch ausländische Investoren an der Erschließung seiner Ressourcen zu beteiligen. Dazu zählten auch deutsche Unternehmen. Christenko zeigte sich überzeugt, dass der Anteil von Gas an der weltweiten Energieversorgung künftig stetig weiter wachsen werde.
ase/dpa/reuters