Weltjugendtag Betest Du noch oder wohnst du schon?
Köln - Eine besonders enge Verbindung zur Kirche wird Ingvar Kamprad nicht nachgesagt. Und wenn, dann vermutlich nicht zur Katholischen: Der Ikea-Gründer stammt aus einem calvinistischen Elternhaus. Umso bemerkenswerter ist das Engagement, mit dem das schwedische Möbelhaus den Weltjugendtag in Köln unterstützt. Die Ikea-Filiale im Stadtteil Godorf bietet Pilgern eine Schlafgelegenheit an. Bis zu 350 Gläubige dürfen sich während des fünftägigen Glaubensfests im angeschlossenen unterirdischen Parkdeck niederlassen. Selbstverständlich werden auch Waschgelegenheiten und ein Frühstück bereitgestellt.
Als Schlafstatt für die Nacht dient eine Einfachversion des Modells Dalselv, ohne aufwendiges Kopfteil, dafür neu und unverbraucht. Auch Matratzen und Bettwäsche kommen direkt aus dem Lager. Nur aufbauen müssen die Pilger ihr Bett selbst - der berühmte Inbusschlüssel liegt jedem Bausatz bei. Nach Beendigung des Weltjugendtages sollen die Betten weiterhin einer guten Sache dienen. 160 Stück sind bereits für ein Kinderheim reserviert, die übrigen sollen an ähnliche Einrichtungen verteilt werden.
Dem Beispiel von Ikea folgen nicht viele der Unternehmen, die rund um Köln angesiedelt sind. Genau genommen nur eins, wie eine Sprecherin des Organisationskomitees erklärt. Die Brauerei Gilden Kölsch hat 80 Feldbetten in den Pausenräumen aufstellen lassen und bietet überdies den Service einer vielsprachigen Belegschaft. Zahlreiche ausländische Mitarbeiter würden helfen, eventuelle Sprachbarrieren zu überwinden, heißt es in einer Pressemitteilung des Brauhauses.
Angesichts der rund 160.000 Schlafplätze, die die Pilger benötigen, ist das Angebot von Ikea und Gilden nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Mehr als 80.000 Menschen müssen sich mit Feldbetten in Turnhallen, Schulen oder Großzelten des Technischen Hilfswerks begnügen - und darauf hoffen, dass bis zum Beginn des Weltjugendtages das Wetter besser wird. Wer mehr Glück hat, kommt bei einer der fast 27.000 Familien unter, die Wohn- und Arbeitszimmer für diese Zeit zur Verfügung stellen.
Mehr dem Eigeninteresse in Form von Publicity dürfte das Angebot der Harald-Schmidt-Show dienen. Der Late-Night-Star hat extra seinen Urlaub verkürzt, um das Glaubensgroßereignis gebührend zu würdigen. Die Pilger, die in den Garderobenräumen der Produktionsgesellschaft nächtigen, dürften dabei auch die eine oder andere Gelegenheit haben, ins Fernsehen zu kommen - freiwillig, wie die Produktionsleitung versichert. Auch die Produzenten der RTL-2-Show Big Brother hatten sich erboten, fünf Pilger in ihrem Fernsehdorf zu beherbergen. Doch in diesem Fall lehnten die Organisatoren des Weltjugendtags dankend ab.
Über mangelnde Unterstützung seitens der Unternehmen kann Hermann-Josef Johanns, Geschäftsführer der Veranstaltungsgesellschaft des Weltjugendtags dennoch nicht klagen. "Ohne die Konzerne, Handelshäuser und die kleineren Firmen hätten wir das ganze Projekt nie organisieren können", sagt er. So hätten etwa die Sparkassen Köln und Bonn das Verkehrsleitsystem bezahlt, und der Touristikspezialist HRS das Netzwerk für die Registrierung und Organisation der Besucherströme. Große Handelshäuser und Ford wiederum hätten den notwendigen Parkraum für Busse und Logistikfahrzeuge zur Verfügung gestellt, Energieunternehmen die Versorgung mit Wasser und Strom.
Zu den Großspendern gehört auch der RWE-Konzern. Für den Großaltar auf dem Heiliggeistfeld schafften die Essener eigens 12.000 Kubikmeter Erdreich aus dem nahe gelegenen Braunkohlerevier heran und legten Leitungen für Wasser und Strom. Auch die Telekom lässt sich nicht lumpen. Sie liefert die gesamte Kommunikationstechnik, damit auch die Gläubigen in der letzten Reihe die Chance haben, den Worten von Papst Benedikt XVI. zu lauschen.
Angesichts des Aufwandes, der für ein solches Megaevent notwendig ist, hält Johanns die Unterbringung sogar für eines der geringeren Probleme. "Viele Familien aus den Gemeinden haben sich freiwillig gemeldet und freuen sich auf die Pilger. Sie können den Besuchern viel besser vermitteln, was das Wort Gastfreundschaft für uns bedeutet als dies durch die Unterbringung auf einem Firmengelände möglich wäre."
Natürlich müssen auch die vielen freiwilligen Helfer belohnt werden. Für sie sind gleich mehrere Veranstaltungen, darunter ein Gottesdienst mit Papst Benedikt XVI. vorgesehen. Der Leverkusener Bayer-Konzern stellt dafür seine Bayarena zur Verfügung. Auch die anderen Hallen des hauseigenen Sportvereins dienen für Glaubensfeiern und einzelne Veranstaltungen.
Was das die Spender im Einzelfall kostet, beschrieb Johanns nur vage: "Ohne diese Hilfsdienste wäre der Weltjugendtag nicht zu stemmen." Bei Ikea lässt sich das Vergnügen, die Pilger zu beherbergen, zumindest grob kalkulieren. Pro Person, so eine interne Rechnung, die Filial-Sprecher Mario Fontana allerdings nicht offiziell bestätigen will, fallen geschätzt rund 60 Euro an. Macht bei 350 Gästen also 21.000 Euro - nicht eben wenig für einen Unternehmer wie Kamprad, der in eigener Sache als echter Geizhals bekannt ist.