Weltwirtschaft Bestes Jahr seit 1988
Prag - Vor allem die Ölpreise und die Unausgewogenheit zwischen den führenden Volkswirtschaften USA, EU und Japan könnten bei ungünstigen Entwicklungen zu Einbrüchen in der Weltkonjunktur führen, sagte der IWF-Chefökonom Michael Mussa am Dienstag in Prag bei der Vorstellung des halbjährlichen Weltkonjunkturberichts (World Economic Outlook).
Doch zunächst korrigierte der IWF seine Wachstumsprognose für 2000 um 0,5 Prozent auf 4,7 Prozent nach oben. Dies wäre die größte Steigerung der Wirtschaftsleistung seit 1988. Deutschland und die übrigen Euro-Länder tragen neben den USA wesentlich zu dem starken Aufschwung bei. Für die Bundesrepublik verbesserte der IWF seine Prognose leicht auf 2,9 Prozent Wachstum in diesem Jahr.
In den EU-Staaten wird das Wachstum dem Konjunkturbericht zufolge von 2,4 Prozent im vergangenen Jahr auf 3,5 Prozent in diesem und 3,4 Prozent im nächsten Jahr steigen. In den meisten Euro-Ländern sei die Senkung der Steuerbelastung die wichtigste Aufgabe, mahnt der IWF. Als "großer Schritt nach vorn" wird dabei die Steuerreform in Deutschland ausdrücklich gelobt.
Als mögliche Gefährdungen der Weltkonjunktur nennt der Bericht das zunehmende Handelsdefizit der USA, die Labilität der Aktienmärkte und Inflationsrisiken. Der hohe Ölpreis könnte bis zu 0,5 Prozent Wachstumseinbuße bringen, erklären die IWF-Experten.
Am schwersten würden die nicht Öl produzierenden Entwicklungsländer getroffen. Auf der anderen Seite hebt der Bericht die positiven Folgen der gestiegenen Ölpreise für Russland hervor: Sie sind ein wesentlicher Faktor in der um 5,5 Prozent auf 7 Prozent nach oben korrigierten Wachstumsprognose.