Weltwirtschaftsforum: Der Geist von Davos - DER SPIEGEL
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Weltwirtschaftsforum Der Geist von Davos

2340 Besucher, darunter 735 Unternehmens- und 60 Regierungschefs: Das World Economic Forum ist die wichtigste Wirtschaftskonferenz weltweit. Damit Novizen sich nicht blamieren, klärt sie der Forumsgründer persönlich über den Geist von Davos auf – und darüber, was der Gipfel mit Sushi zu tun hat.
Von Karsten Stumm
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Davos - Gestern noch staksten vor allem Wintersportler durch Davos, die Skier geschultert schritten sie mit ihren schweren Stiefeln über die kleine Hauptstraße, bedächtig, so als müssten sie einen steilen Pfad hinauf gehen.

Heute schlittern an den Sportlern immer wieder Damen und Herren im leichten Hosenanzug und dunkler Kombination vorbei, die offensichtlich keine Zeit zu verlieren haben. Die neuen Gäste sind Konferenzteilnehmer des Weltwirtschaftsgipfels, sie müssen zum offiziellen Registrierungsbüro des Forums. Unglücklicherweise ist der Weg zum Konferenzraum in diesem Jahr besonders weit.

Metallgitterzäune wie am Gaza-Streifen

Die Sicherheitsleute haben den Zugang zum Teilnehmerbüro kurzerhand verlegt. Über die Hauptstrasse von Davos, Promenda genannt, ist der Zutritt plötzlich nur noch bereits registrierten Teilnehmern gestattet. Polizisten haben ganze Arbeit geleistet: Die Zugangsstraße wurde mit Schleusen aus Metallgitterzäunen verengt, niemand kommt an den Sicherheitsleuten vorbei. Ein BBC-Reporter glaubt, die Konstruktion an einem Grenzübergang zum Gaza-Streifen schon einmal gesehen zu haben.

Den Konferenzdelegierten und Journalisten bleibt nichts anderes übrig, als sich von der Talseite dem Konferenzgebäude zu nähern. Dazwischen liegen etwa 400 Meter vereiste Straße und 50 Höhenmeter.

Cocktail für Forums-Novizen

Als Belohnung gibt es ein unscheinbares Plastikkärtchen, die Eintrittskarte zum Forum.

15 Staatschefs und Ministerpräsidenten, 60 Minister, zahlreiche Spitzenfunktionäre und 735 Firmenchefs haben ihren Besuch angekündigt, darunter der pakistanische Präsident Pervez Musharraf und Polens Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz, der britische Schatzkanzler Gordon Brown, Fifa-Chef Joseph Blatter sowie Megaunternehmer und Microsoft-Chef Bill Gates. Und natürlich Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel, die heute am frühen Abend das Forum eröffnen wird. "The Creative Imperative" ist das Motto der Veranstaltung.

Für viele Besucher beginnt das Forum allerdings mit einer Lehrstunde ganz anderer Art im Hotel Belvedere, Saal Atlantis. Forumsgründer Klaus Schwab selbst lädt zum Cocktail für Forums-Novizen, um zu ihnen über den Geist von Davos zu sprechen. Fisch- und Fleischspießchen werden gereicht, dazu Champagner, Rot- oder Weißwein. Schwab allerdings lässt auf sich warten.

"Spüren Sie den Geist der Gemeinschaft"

Stattdessen erzählt Eric Anstee, Chef des britischen Instituts für Chartered Accountants, von seinen Projekten in China und Indien. Und Stephen Wall vom John-F.-Kennedy-Institut in Washington will wissen, wie die Welt Amerika sieht.

Dann kommt Klaus Schwab.

"Beim ersten Kongress vor 35 Jahren hatten wir gerade einmal vier große Themen zu Besprechen", sagt Schwab, "heute sind es viel mehr. Versuchen Sie deshalb nicht, alle Veranstaltungen zu besuchen. Niemand sieht Davos ganz. Lassen sie sich lieber auf unbekannte Themen ein und spüren Sie den Geist der Gemeinschaft und Freundschaft hier in Davos."

Schwabs Assistent sagt den verdutzten Forumsteilnehmern noch schnell, der Weltwirtschaftsgipfel gleiche einem fünfstöckigen Sushi-Haus. Fünf Stockwerke, weil sich hier so viele verschiedene Persönlichkeiten ergänzen, versucht er sein Orakel aufzulösen. Und Sushi sei schließlich eine Erfahrung. Beim Hinausgehen schüttelt Schwab noch fast jedem die Hände, so, als verabschiede ein Uni-Professor den diesjährigen Examensjahrgang.

Eric schlägt vor, darauf einen Champagner zu trinken. Vielleicht nicht die schlechteste Idee.