Weltwirtschaftsforum Gates flüchtet vor Demonstranten
Melbourne - Globalisierungsgegner versuchten vor dem Konferenzgebäude in Melbourne, den Teilnehmern des Weltwirtschaftsforums den Zugang zu versperren. Die Polizei ging mit Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor, die während der Nacht vor dem Gebäude campiert hatten. Dabei wurden nach Angaben der Organisatoren 50 Demonstranten verletzt. Nach Polizeiangaben nahm die Zahl der Protestierer im Vergleich zum Vortag jedoch deutlich ab.
Bereits am Montag hatten zu Beginn des Forums mehrere tausend Demonstranten versucht, den Weg zum Tagungsort zu versperren. Die Szenen erinnerten an die Konferenz der World Trade Organization (WTO) im Dezember 1999, als Protestierer und Polizei die Innenstadt von Seattle in einen Kampfplatz verwandelten.
Bill Gates, der am Montag noch an der Konferenz teilgenommen hatte, sagte zwei weitere Termine aus Sicherheitsgründen ab. Microsofts Chef-Software-Architekt kritisierte die Demonstranten: Wenn der weltweite Handel blockiert werde, gehörten die Armen zu den Verlierern, sagte er.
Der Vizepräsident der Investmentbank Lehman Brothers wurde mit einem Boot zum Konferenzgebäude gebracht. "Wir wollen hören, was die Demonstranten zu sagen haben", sagte er. "Diese Leute sind ehrlich, sie sind gute Menschen." Er erklärte, die Teilnehmer der Konferenz müssten die Ansichten der Demonstranten in ihr Denken aufnehmen.
Premierminister John Howard verurteilte die Proteste. Jeder in Australien habe das Recht, anderer Meinung zu sein. Die Demonstranten hätten jedoch keine Meinung geäußert, sondern randaliert, was nicht tragbar sei.
Die Organisatoren des Protests warfen der Polizei übertriebene Härte vor. "Viele Demonstranten wurden von berittenen Polizisten angegriffen", sagte ein Sprecher. Die Protestierer erklärten, nur mit Hilfe des zivilen Ungehorsams könnten sie die internationalen Unternehmen auf ihre Sorgen aufmerksam machen. Am Dienstag unterstützten etwa 5000 Gewerkschafter mit einem Protestmarsch die Demonstranten. Es kam zu keinen weiteren Ausschreitungen.