Weltwirtschaftsforum: Kritische Presse nicht erwünscht - DER SPIEGEL
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Weltwirtschaftsforum Kritische Presse nicht erwünscht

Journalisten haben sich vom ersten Tag an über die Aussperrung vom Weltwirtschaftsforum beschwert. Auf Kritik reagieren die Veranstalter jedoch empfindlich - wie die "Earth Times" feststellen musste.
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New York - Die "Earth Times" ist eine Zeitung, die seit 1991 über globale Probleme berichtet. Sie wird in Zusammenarbeit mit der "New York Times" und "Foreign Affairs" erstellt. Während großer Konferenzen wie dem Weltwirtschaftsforum wird die Zeitung jeden Morgen den Teilnehmern vor die Hotelzimmertür gelegt, weitere kostenlose Exemplare liegen in der Lobby und in den Veranstaltungsräumen aus. Auch dieses Jahr klappte die Lieferung reibungslos - bis zum Sonntag. Da verbot die Geschäftsführung des Waldorf Astoria plötzlich die Verteilung des 32-Seiten-Blatts. Auch in anderen Veranstaltungshotels wie dem Interconti war die "Earth Times" nicht mehr zu finden.

Der Auslöser für die Aktion sei der Aufmacher mit der Schlagzeile "Medien-Apartheid" gewesen, sagte der Herausgeber der Zeitung, Theodore Kheel, am Montag. Eine Pressesprecherin des Weltwirtschaftsforums, Valerie Weinzierl, habe die Geschäftsführung des Hotels aufgefordert, die Auslieferung dieser Ausgabe zu stoppen und bereits ausliegende Kopien einzusammeln. Weinzierl habe dies gegenüber der Zeitung bestätigt. Gegenüber SPIEGEL ONLINE war Weinzierl zu keiner Stellungnahme bereit.

In dem Artikel hatte der Reporter Roman Rollnick geschrieben, dass es einen "Aufruhr" unter den zum Forum akkreditierten Journalisten gebe. Die Journalisten seien verärgert über das "Kastensystem", das dem Großteil der Reporter den Zugang zum Waldorf Astoria verwehrt. Einige hätten deshalb die Berichterstattung sogar vorzeitig abgebrochen. Er zitiert einen Kollegen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Ich kann nicht rein, warum sollte ich also hier bleiben?" Rollnick, der auch für die "Sunday Times" in London arbeitet, schreibt: "Für eine Organisation, die damit wirbt, die Welt zu verbessern, mag das einen Schritt zu weit gehen." Andere Publikationen, darunter SPIEGEL ONLINE, hatten ebenfalls von großer Unzufriedenheit bei der Presse berichtet. Nur wenige "Media Leaders" hatten direkten Zugang zum Forum. Der Rest musste sich mit Video-Übertragungen von einem kleinen Teil der Veranstaltungen begnügen.

Das PR-Team um Charles McLean verhinderte den Angaben der "Earth Times" zufolge nicht nur die Auslieferung der Sonntagsausgabe. McLean persönlich verweigerte einem akkreditierten Fotografen der Zeitung den Zugang zu einer Veranstaltung mit Bill Gates. Presseerklärungen der Zeitung zu dem Vorgang wurden ebenfalls konfisziert.

Herausgeber Kheel legte daraufhin Beschwerde beim New Yorker Presse-Club ein. Am Montag war die "Earth Times" dann plötzlich wieder da. Die Schlagzeile lautete "Forum verbietet Verteilung von "Earth Times" im Waldorf Astoria". Kheel sagte, er werde keine weiteren Maßnahmen ergreifen.

Die Zeitung erschien während des Forums mit einer täglichen Auflage von 5000. Pro Tag zahlte der Eigentümer, eine gemeinnützige Organisation, 1700 Dollar für die Verteilung in den Hotels.