Werftenfusion ThyssenKrupp schmiedet Schiffbaukoloss
OEP wird sämtlichen Anteile an HDW in die Marine-Sparte von Thyssen einbringen. Die US-Investmentgesellschaft wird im Gegenzug mit 25 Prozent an dem Bereich beteiligt und erhält 220 Millionen Euro in bar. Die Führung des Konzerns soll bei ThyssenKrupp liegen.
Zu dem Werftenkoloss gehören dann unter anderem die Kieler Howaldtswerke-Deutsche Werft, Die Hamburger Blohm + Voss GmbH und die Nordseewerke in Emden. Der neue Werftenverbund stehe für ein Umsatzvolumen von rund 2,2 Milliarden Euro und beschäftige derzeit 9300 Mitarbeiter, teilte ThyssenKrupp weiter mit.
Sitz der ThyssenKrupp Marine Systems AG wird den Angaben zufolge Hamburg. Klaus Borgschulte, Mitglied des Thyssen-Vorstands und derzeit Vorsitzender der Geschäftsführung der ThyssenKrupp Werften GmbH, soll den Vorsitz der Gesellschaft übernehmen. Der Zusammenschluss muss noch kartellrechtlich genehmigt werden.
10 Prozent der Stellen könnten wegfallen
Gegen die Fusion gab es zuletzt Vorbehalte. In der künftigen Struktur könnte die Überwasserbereich vollständig bei Blohm + Voss angesiedelt sei, während sich HDW vermehrt auf den U-Boot-Bau konzentriert. Nach Medieninformationen könnten dadurch mehr als 10 Prozent der Stellen wegfallen.
Zuletzt demonstrierte die HDW-Belegschaft für den Erhalt der Kieler Universalwerft. Sie wehren sich dagegen, im Zuge der Fusion auf den Bereich U-Boot-Bau reduziert zu werden. Landes-Politiker von SPD und CDU wie Vertreter der IG Metall sprachen sich ebenfalls für den Fortbestand der Werft in ihrer bisherigen Form aus.
Der genaue Umfang der geplanten Stellenstreichungen ist noch offen. "Die Gespräche laufen noch", sagte eine ThyssenKrupp-Sprecherin. Der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Frank Teichmüller, betonte aber, durch die hohe Beteiligung der Belegschaften sei es gelungen, das industrielle Konzept des Arbeitgebers so weit zu verändern, dass nicht weit mehr als 1300 Stellen, sondern höchstens 560 abgebaut werden. Auch eine Konzentration auf reinen Militärschiffbau habe verhindert werden können.
Grundsätzlich stützt die IG Metall den Zusammenschluss. Ein schlagkräftiger Werftenverbund biete erhebliche Chancen, wenn auch die Risiken einer solchen Fusion nicht übersehen werden dürften, hieß es.
Vorbereitung für den europäischen Werftenverbund
ThyssenKrupp und OEP verhandelten seit Dezember sehr intensiv über eine Zusammenlegung. OEP hatte für HDW vor zwei Jahren weniger als 400 Millionen Euro bezahlt und außerdem ein Darlehen von rund 500 Millionen Euro übernommen, das HDW seiner früheren Mutter, der inzwischen insolventen Babcock Borsig gewährt hatte.
Über einen großen Werftenverbund wird seit vielen Jahren in unterschiedlichen Konstellationen diskutiert. Im vorigen Herbst sah es eine Zeit lang so aus, als stehe ein Verbund der HDW mit dem französischen Rüstungskonzern Thales bevor.
Die Franzosen wollen jedoch nunmehr bis 2005 die heimische Werft DCN (Direction des Construction Navals) übernehmen. Dabei strebt Thales die Führungsrolle an. Der Konzern hat bislang keine eigene Werft, liefert aber im großen Stil Elektro- und Radartechnik für den Marineschiffbau. Sowohl an Thales als auch an DCN ist der französischen Staat maßgeblich beteiligt. Der Schiffbaukoloss DCN hängt zudem am Subventionstropf der Regierung in Paris.
Die sich abzeichnende Fusionswelle wird in der Branche als Auftakt für einen europäischen Werftenverbund nach dem Vorbild des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS gesehen. Vor allem der französische Staatspräsident Jacques Chirac gilt als Verfechter eines "Airbus naval", um im Schiffbau ähnlich erfolgreich zu agieren wie EADS im Luftfahrtbereich.