WestLB Ein Thronfolger ist gefunden
Düsseldorf - Die Eigentümer der größten öffentlich-rechtlichen Bank Deutschlands bereiteten am Sonntag den Personalspekulationen ein Ende und nominierten Jürgen Sengera zum Nachfolger für den ausscheidenden WestLB-Chef Friedel Neuber. Der Präsidialausschuss habe einstimmig beschlossen, Sengera für das Amt des Vorstandsvorsitzenden vorzuschlagen, teilte die WestLB mit. Über die Bestellung werde der Verwaltungsrat am 16. März entscheiden.
Mit dem 58 Jahre alten Sengera, der seit 1984 dem Vorstand der WestLB angehört, geben die Eigentümer nun einer internen Lösung den Vorzug. Neben dieser Möglichkeit war in den vergangenen Monaten nicht ausgeschlossen worden, einen Nachfolger von einer anderen deutschen Landesbank oder einer Privatbank zu holen.
Laut WestLB ist Sengera ein ausgewiesener Experte im nationalen und internationalen Bankgeschäft. Er habe große Erfahrung im Investmentbanking und biete die Gewähr dafür, dass die Bank ihre Position auf den Märkten weiter ausbaue und auf dem von den Eigentümern begonnenen Weg "zur Lösung der europäischen Fragen zielstrebig" voranschreite.
Damit sprach das Institut indirekt den Streit zwischen der EU-Kommission und der Bundesregierung um die staatlichen Garantien für öffentliche Banken an. Anfang Februar hatte Neuber dem EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti die Teilung der WestLB in eine Geschäftsbank und ein öffentliches Institut vorgeschlagen. Monti hatte erklärt, das Modell lasse Fragen offen.
Sengera machte nach Angaben von Sitzungsteilnehmern bei seiner Vorstellung eine "sehr gute Figur". Der designierte Neuber-Nachfolger habe unterstrichen, er wolle der Kostenentwicklung bei der Bank besondere Aufmerksamkeit widmen. Sengera soll zum 1. September Vorstandsvorsitzender werden. Der Vertrag Neubers, der als dienstältester deutscher Spitzenbanker gilt, läuft Ende August aus.
Nach Angaben aus Bankenkreisen hat Sengera bei der WestLB das lukrative Geschäft mit Projektfinanzierungen vorangebracht. Außerdem führt er die Investmentbank-Tochtergesellschaft Panmure, die sich im Aktienhandel und bei Börseneinführungen von jungen Unternehmen einen Namen gemacht hat. Damit verantwortet Sengera rund zwei Drittel des Gesamtergebnisses der Bank.