WestLB Sanierung in die Bedeutungslosigkeit
Düsseldorf Es ist ein Abschied auf Raten: WestLB-Chef Alexander Stuhlmann hat seinen Rückzug aus dem Vorstand in Aussicht gestellt. Er könne nicht genau sagen, wie lange er das Institut noch "begleiten" werde, sagte er auf der großen WestLB-Pressekonferenz am Vormittag. Allzu lang dürfte es nicht mehr sein - denn NRW-Finanzminister Helmut Linssen hatte bereits angedeutet, dass eine Neubesetzung für die Spitze der Bank gesucht werde. Stuhlmann, erst seit Jahresmitte 2007 im Amt, fügt sich mit seiner indirekten Rückzugsankündigung nur seinem Schicksal. Sein Vertrag läuft Ende März aus.
Die WestLB verliert weit mehr als nur ihren Chef. 1500 Jobs werden abgebaut, auf mittlere Sicht wird sie wohl auch die Eigenständigkeit einbüßen denn mit dem jetzt beschlossenen Rettungspaket rückt auch die Fusion mit der etwas kleineren aber finanziell gesunden Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) auf der Tagesordnung nach oben. Immerhin: eine Insolvenz der WestLB ist abgewendet.
In nächtlicher Krisenrunde haben die Anteilseiger - die Landesregierung Nordrhein-Westfalen, die Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen-Lippe sowie die Landschaftsverbände ihren Konflikt beendet und ein radikales Sanierungsprogramm ermöglicht. Bis zum Schluss hatte sich NRW dagegen gesperrt, weitere drei Milliarden an Garantien abzugeben, nun zeigte sich die Landesregierung um Jürgen Rüttgers (CDU) doch dazu bereit.
Die Anwesenheit von Axel Weber und Jochen Sanio bei den Verhandlungen dürfte zum Sinneswandel beigetragen haben. Der oberste Bundesbanker und der Chef der Finanzaufsicht BaFin haben Druck ausgeübt denn der Finanzmarkt Deutschland braucht nichts so wenig wie eine weitere Bankenkrise.
Die WestLB hatte im vergangenen Jahr Milliardenwerte durch Fehlspekulationen vernichtet. Sie hatte sich im Eigenhandel mit Aktien unter anderem von Volkswagen , Metro , und BMW verloren - und war zudem hohe Risiken auf dem inzwischen kollabierten Markt für Immobilienkredite eingegangen. Ergebnis: ein Verlust von rund einer Milliarde Euro und Abschreibungen von ebenfalls einer Milliarde Euro.
Jetzt muss im Notfall der Steuerbürger zahlen. Denn die Eigner einigten sich auf die Gründung einer Zweckgesellschaft, mit der die WestLB gegen weitere mögliche Zahlungsausfälle von bis zu fünf Milliarden Euro abgeschirmt werden soll. Die Eigentümer tragen davon - entsprechend ihrer Anteile - zwei Milliarden Euro, das Land Nordrhein-Westfalen übernimmt noch einmal weitere drei Milliarden Euro. Es ist die zweite staatliche Hilfsaktion für die WestLB seit Januar. "Das Land hat eine weit über die eigene Kapitalbeteiligung hinausgehende Verantwortung übernommen", sagte Finanzminister Linssen.
Das Sanierungsprogramm wird die WestLB, die noch vor einem Jahrzehnt nach einer Top-Rolle im internationalen Investmentbanking strebte, gravierend verändern und verkleinern. Die wichtigsten Punkte:
- Bis 2010 sollen 1300 bis 1500 Arbeitsplätzen abgebaut werden. Die Schrumpfkur soll jährliche Kosteneinsparungen von 300 Millionen Euro bringen.
- Die Bank will das Verbundgeschäft mit den Sparkassen, dem Mittelstand und mit Privatkunden stärken und das Investmentbankgeschäft dafür begrenzen. Das ehrgeizige Ziel: Durch diese "Mittelstandsoffensive" sollen die Erträge um rund 100 Millionen Euro im Jahr erhöht werden.
- Die Fusion mit der Helaba wird weiter ausgelotet.
- Der riskante Eigenhandel wird weitgehend eingestellt. Mit Hilfe der neuen Zweckgesellschaft soll sich die WestLB von wesentlichen Risiken aus dem Wertpapiergeschäft befreien. Dazu werden Papiere in einem Volumen von etwa 23 Milliarden Euro außerhalb der Bank in der neuen Gesellschaft gebündelt eine grundlegende Änderung des Geschäftsmodelles.
"Die Arbeit fängt eigentlich erst an", kündigte WestLB-Chef Stuhlmann an. Er selbst wird sie nicht mehr zu Ende bringen.
itz/AP/dpa-AFX