Wettbewerbsbericht: Konkurrenten jagen Bahn Marktanteile ab - DER SPIEGEL
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Wettbewerbsbericht Konkurrenten jagen Bahn Marktanteile ab

Die Bahn ist einer der wenigen Konzerne, die sich derzeit aus taktischen Gründen über Erfolge der Konkurrenz freuen müssen. Der neue Wettbewerbsbericht zeige, dass der Markt funktioniert, so das Unternehmen. Einem Börsengang mitsamt dem Schienennetz stehe deshalb nichts im Wege.
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Berlin – Joachim Fried versteht es, die Erfolge der Konkurrenz auch als die eigenen zu verkaufen. "Der Wettbewerb hat sich intensiviert", erklärte der Konzernbevollmächtigte für Wettbewerb. Nur 35 Prozent der im Nahverkehr ausgeschrieben Aufträge konnte das Unternehmen im vergangenen Jahr ergattern, heißt es im fünften Wettbewerbsbericht der Bahn. Doch den wachsenden Druck seitens der Konkurrenz sehen die Bahn-Oberen nicht nur mit Unbehagen. Denn beim angepeilten Börsengang sind alle Argumente, die auf einen funktionierenden Wettbewerb auf der Schiene hinweisen, wichtig.

Das Unternehmen will bei dem Gang an den Aktienmarkt unbedingt das Schienennetz behalten – Gegner fürchten jedoch, so könnten Wettbewerbsnachteile für Konkurrenten dauerhaft zementiert werden und plädieren deshalb für einen Aufspaltung des Unternehmens vor der Privatisierung.

Die Ergebnisse der Studie zeigten deutlich, dass die deutschen Regulierungsbehörden vorbildlich arbeiteten, sagte Fried nun. Im Regionalverkehr stieg der Marktanteil der Konkurrenten von 11,9 auf 13,2 Prozent. Im Schienengüterverkehr konnten die Wettbewerber von 10,2 auf 15,1 Prozent zulegen. Insgesamt hätten konzernexterne Bahnen damit einen Anteil von rund 11 Prozent an den Leistungen der Bahn-Tochter DB Netz.

In den kommenden Jahren sei ein weiteres Wachstum der Konkurrenz zu erwarten, sagte Fried. Kritiker der Bahn weisen dagegen auf den Fernverkehr hin: Dort ist das Unternehmen weiterhin Quasi-Monopolist.

Fracht per Zug nach China

Ganz auf den Börsengang will sich auch Konzernvorstand Hartmut Mehdorn konzentrieren. Dem Angebot von Air Berlin, bei der Fluggesellschaft nach deren Börsengang als Aufsichtsrat zu fungieren, erteilte er deshalb nun eine Absage. "Derzeit haben ich andere Aufgaben - Stichwort Börsengang der Bahn - eindeutig Priorität", sagte Mehdorn in Berlin. 

Der Grünen-Verkehrsexperte Winfried Hermann hatte das Angebot der Fluggesellschaft an den Bahnchef scharf kritisiert und von einem "klaren Interessenskonflikt" gesprochen. "Für einen, der so sehr wie Mehrdorn gegen die Billigflieger gewettert hat, passt es nicht zusammen", hatte Hermann dem "Tagesspiegel" gesagt.

Für 2008 hat Mehdorn ein neues Ziel im Streckennetz der Bahn im Auge: China. Bereits ab diesem Herbst will das Unternehmen die Aktivitäten zur Schaffung einer "Landbrücke" zwischen Asien und Europa mit einer Kooperation mit der chinesischen Eisenbahn ausweiten. Er halte es für machbar, "dass wir ab 2008 mit täglichen Regelzügen nach China verkehren", sagte Mehrdorn. Als Ziel peilt er dabei der Nachrichtenagentur AP zufolge Shanghai an. "Wir können mit einer Transportzeit von neun Tagen sogar über zwei Wochen schneller sein als das Schiff und natürlich ungleich mehr Fracht befördern als das Flugzeug."

ase/AP