Wettstreit um Opel GM dementiert Einigung mit Magna
Hamburg - Eine Zukunft für den Autobauer Opel in der Obhut von Magna ist doch nicht so sicher, wie es laut einer Mitteilung des kanadisch-österreichischen Zulieferers schien. Das geht aus einem kurzen E-Mail-Schriftwechsel zwischen John Smith, dem Verhandlungsführer von General Motors , und einem Manager von Magnas Konkurrenten RHJ hervor. Die Mails liegen SPIEGEL ONLINE vor.
Opel: Bieterwettstreit noch völlig offen
Foto: TOBIAS SCHWARZ/ REUTERSDemnach war man bei RHJ sehr erstaunt, als Nachrichtenagenturen am Donnerstagnachmittag die Meldung über eine Einigung von Magna und GM verbreiteten. Der Co-Chef des Zulieferers, Siegfried Wolf, wird in den Berichten mit den Worten zitiert, Magna, der russische Partner Sberbank und GM seien auf Managementebene in allen Punkten übereingekommen. Von RHJ-Seite fragte man daraufhin direkt bei GM nach.
Und GM-Verhandlungsführer Smith antwortete prompt. Meldungen über eine Einigung seien nicht wahr, schrieb er an RHJ-Manager Gerd Haeusler - und bestätigte zugleich: "Wir haben am Montag Unterlagen erhalten." Diese würden nun sowohl von GM als auch von der Auto-Task-Force der deutschen Regierung geprüft, bevor der GM-Verwaltungsrat ein Votum abgebe. "Das wird sicherlich noch einige Tage mehr dauern", beruhigte Smith. Zudem kündigte er eine Stellungnahme von GM an.
Magna hatte zuvor mitgeteilt, wesentliche Streitpunkte seien vom Tisch. Zwischen Magna und GM hatte es Streit um die Patentrechte und den möglichen Verkauf von Opel-Anteilen an Mitbewerber gegeben. GM fürchtet, dass über den Magna-Partner Gaz - einen russischen Autobauer - wichtiges technisches Wissen abfließen könnte. In allen strittigen Punkten habe man sich ungefähr in der Mitte getroffen, sagte eine Magna-Sprecherin. Details nannte sie nicht.
Nicht mit rascher Entscheidung zu rechnen
Dennoch gilt auch in Expertenkreisen die Entscheidung über die Zukunft von Opel als offen. Allerdings lägen nun Magna und der belgische Finanzinvestor RHJ nach formalen Kriterien gleichauf. Wie aus Verhandlungskreisen verlautete, ist mit einer raschen Entscheidung nicht zu rechnen. Die Regierungen der beteiligten Bundesländer mit Opel-Standorten begrüßten dennoch die Verhandlungsfortschritte. Staatliche Unterstützung gebe es nur für Magna, hieß es. Beide Interessenten rechnen mit Garantien des Staates. RHJ will Berichten zufolge mit weniger als drei Milliarden Euro auskommen, Magna erwartet bis zu 4,5 Milliarden.
Die Opel-Verhandlungsgruppe von Bund und Ländern wird Anfang nächster Woche mit Vertretern von GM und Magna über die sich anbahnende Lösung für die Opel-Übernahme sprechen. Die endgültige Entscheidung fällt die Opel-Treuhand, in der auch Vertreter von Bund und Ländern sitzen. Die Treuhand erwarte nun eine Empfehlung des GM-Verwaltungsrats, sagte der Vorsitzende des Treuhand-Beirates, Fred Irwin.
Bisher hatten Teile des GM-Managements den belgischen Finanzinvestor RHJ bevorzugt, mit dem sich GM bereits auf einen Vertragsentwurf geeinigt hat. RHJ will Opel enger bei GM belassen, auch ein späterer Rückverkauf an GM wäre möglich. Das RHJ-Angebot sei das "einfachere Konzept", hatte GM-Verhandlungsführer John Smith geurteilt. Der Finanzinvestor hatte sein Angebot ebenfalls nachgebessert und angekündigt, mit weniger deutschen Staatshilfen auskommen zu wollen als bisher geplant.
Dennoch lehnen die Arbeitnehmer und die Opel-Händler weiter RHJ ab. Sie fürchten, dass der Finanzinvestor im Vergleich zu einem Käufer aus der Auto-Branche weniger Geld in Opel steckt oder das Unternehmen sogar aufspalten könnte. Auch Bund und Länder favorisieren Magna als Käufer, weil das Unternehmen weniger Arbeitsplätze in Deutschland abbauen und unabhängiger von GM sein will.