Widerstand Briten kämpfen um 50.000 Jobs
London/München - Der Birminghamer Abgeordnete Richard Burden, in dessen Wahlbezirk das bedrohte Rover-Werk Longbridge steht, forderte BMW am Mittwoch auf, "sein Wort gegenüber mir, der Regierung und den 50.000 Menschen zu halten, deren Jobs vom Werk Longbridge abhängen". Der Sprecher der Industrie- und Handelskammer Birmingham, John Lamb, äußerte sich besorgt über Meldungen, dass Rover an Investoren statt an einen Autokonzern verkauft werden könnte.
Die Regierung hielt sich zunächst zurück. Das Industrieministerium teilte lediglich mit, man sei in Kontakt mit BMW und sei unterrichtet, dass der Aufsichtsrat "eine Reihe von Möglichkeiten erwägen" werde. Die Konservative Partei warf der Regierung von Tony Blair vor, sie habe ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Andernfalls hätte die EU schon längst über die umstrittenen britischen Subventionen in Höhe von 480 Millionen Mark für Longbridge entschieden. Blair versprach im Unterhaus, seine Regierung werde "alles ihr Mögliche" tun, um Longbridge zu retten.
Am Nachmittag war Industrieminister Stephen Byers mit BMW-Chef Joachim Milberg zusammengetroffen, um die "Bedeutung von Rover für Großbritannien" zu unterstreichen. Die Regierung habe ihre Verpflichtung für Rover gezeigt, das Unternehmen habe gute Zukunftsaussichten, sagte ein Sprecher. Er sei optimistisch, dass die EU-Kommission die Regierungsbeihilfen für Rover genehmigen werde. Es seien auch Gerüchte nicht korrekt, dass BMW wegen der schleppenden Genehmigung frustriert sei, sagte der Sprecher.
Tony Woodley von der britischen Gewerkschaft Transport and General Workers Union sagte, eine Aufspaltung von Rover bedrohe die Existenz von drei Werken und 16.000 Arbeitsplätzen unmittelbar. Das wäre weder für die Gewerkschaften noch für die britische Regierung akzeptabel. BMW müsse jetzt "die Nerven behalten". Der Generalsekretär der Ingenieurs- und Elektrikergewerkschaft, Sir Ken Jackson, erklärte, er vertraue den erst jüngst bekräftigten Zusicherungen von BMW für Rover.
Unterdessen flogen Gewerkschafter und Betriebsräte von Rover nach München, um mit BMW-Vertretern über die Zukunft der britischen BMW-Tochter zu beraten "Die Zurückhaltung von BMW mit Blick auf die Zukunft von Longbridge ist inakzeptabel", sagte Gewerkschaftsvertreter Terry Pye.
Milberg will Einzelheiten am Freitag bekannt geben
BMW kündigte für Freitag eine Pressekonferenz in München an. Zuvor will der Aufsichtsrat des Konzerns über die Zukunft der britischen Automarke Rover befinden. Berichte, dass der Vorstand sich bereits für eine Alternative entschieden habe, bezeichnete ein BMW-Sprecher als "reine Interpretation". Wenn das Aufsichtsgremium dem Vorschlag nicht zustimme, werde sich "der Vorstand diesem Votum sicherlich nicht verschließen". Rechtlich sei das "grüne Licht" des Aufsichtsrats jedoch nicht erforderlich, betonte er.
Zu Gerüchten, die Arbeitnehmerseite wolle im Aufsichtsrat Widerstand gegen die Pläne zum Verkauf der Pkw-Sparte von Rover leisten, hatte ein Mitglied des Gremiums lediglich gesagt, die Arbeitnehmer wollten dort am Donnerstag "ein gewichtiges Wort mitreden".