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Geldanlage Wie Mist

Die Investmentfonds halten nicht, was die Manager versprechen; fast alle Fonds verbuchen Verluste.
• aus DER SPIEGEL 50/1990
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nicht jeder, der sein Geld vermehren möchte, traut sich an die Börse. Für die Ängstlichen aber weiß Manfred Laux guten Rat. Er empfiehlt, die Erfahrung der Experten zu nutzen und Investmentanteile zu kaufen.

Laux, Chef beim Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI), streicht gern die Vorteile der von ihm geförderten Anlageform heraus: Die Fonds verringerten das Risiko für den Sparer, sorgten für schöne Gewinne und würden von Profis verwaltet - der Anleger brauche nur Geld zu überweisen.

Daß die flotten Sprüche der rauhen Wirklichkeit kaum standhalten, mußten die Anleger gerade in den turbulenten Börsenwochen der jüngsten Zeit erkennen. Die Profis können auch nicht mehr als der durchschnittliche Geldanleger, der seine Ersparnisse in Festgeld, Anleihen oder in Aktien großer Unternehmen steckt.

Die meisten Fonds-Freunde, das belegt eine umfangreiche Liste des Verbands, hätten ihr Geld in diesem Jahr besser im Sparstrumpf aufgehoben. Nahezu alle Fonds notieren herbe Verluste.

Vor allem die Besitzer von Aktienfonds wurden schwer gebeutelt. Wer im Herbst vergangenen Jahres beispielsweise Anteile am Commerzbank-Fonds Adiverba orderte, verlor 21,7 Prozent, Gebühren und Spesen nicht eingerechnet; der offizielle Börsenindex Dax fiel in der gleichen Zeit um 16 Prozent. Der DWS-Rohstoffonds der Deutschen Bank sackte um 29,3 Prozent ab, der DIT-Fonds Interglobal von der Dresdner Bank um 31,3 Prozent (siehe Grafik).

Lediglich Immobilienfonds registrierten in den letzten Monaten noch Zuwachsraten. Die beim breiten Publikum beliebten Rentenfonds, in denen überwiegend festverzinsliche Papiere stecken, rutschten häufig ebenfalls ins Minus: Die Zinsen stiegen allenthalben, die Kurse der Papiere fielen - und dem konnte sich auch der geschickteste Fonds-Manager nicht entziehen.

Die Experten der Banken, sagt der Finanzanalytiker Thomas Vorwerk aus München, »stehen jetzt da wie begossene Pudel«.

Dabei sollte gerade die Grundidee des Investmentsparens, die Streuung der Anlage, das Risiko von Kursstürzen mindern. Der Sparer kauft keine einzelnen Aktien oder Anleihen, sondern Anteile an einem Fonds, in dem verschiedene Wertpapiere, womöglich aus verschiedenen Ländern, gesammelt werden. Stärkere Verluste bei einem Wert können so durch geringere Einbußen oder gar Gewinne bei anderen Papieren ausgeglichen werden.

»Geld ist wie Mist«, hatte der englische Philosoph Francis Bacon bereits 1625 gelehrt, »man sollte es streuen.« Diese uralte Erkenntnis wurde zum Leitfaden der Fonds-Gilde.

Doch ganz offensichtlich tun sich die Fonds-Verwalter trotz scharfsinniger Analysen und moderner Management-Methoden schwer, aus Bacons Lehre zählbaren Nutzen für den Anleger zu ziehen. Die Werbung der Fonds-Manager, die ihr »umfassendes Know-how« (BfG) anpreisen und eine »besonders ertragreiche Geldanlage« (Dresdner Bank) verheißen, verspricht mehr, als die Banker halten können.

Doch gemach, sagen Bankiers und Fonds-Manager, der Anleger soll ja gerade nicht auf die kurzfristigen Kursschwankungen schauen. Wer sein Geld langfristig anlege, komme mit Aktienfonds gut zurecht.

Das läßt sich in der Tat mit Beispielen belegen, die in der Branche gern vorgerechnet werden. Wer etwa am Erstausgabetag, am 30. Oktober 1950, in den Aktienfonds Fondak 10 000 Mark steckte, hatte 40 Jahre später fast eine Million daraus gemacht.

Doch auch kleinere Beträge, wenn sie denn regelmäßig angelegt werden, sollen sich zu einem Vermögen addieren: Wer seit 1950 Monat für Monat 200 Mark in Fondak-Anteilen anlegte, hätte zum Weihnachtsfest 1990 knapp 1,2 Millionen Mark auf dem Konto.

Ein regelmäßiger Kauf von Anteilen nach einem langfristigen Sparplan, nicht die eher zufällige Geldanlage in Fonds, ist denn auch nach Ansicht der Experten der bessere Weg zur Vermögensvermehrung. Die Wiederanlage der erzielten Gewinne wird vorausgesetzt - der Zinseszins sorgt für sichere Erträge.

Der Vorteil des Sparplans ergibt sich aus den Durchschnittskosten über die Jahre. Sinkt der Ausgabepreis des Fonds-Anteils, kauft der Sparer für seine monatlichen 200 Mark mehr Anteile, ist der Preis höher, bekommt er weniger Stücke. Auf längere Sicht sind damit die Kursschwankungen für ihn gemildert.

Spekulativen, schnellen Gewinn sollte der Anleger bei Fonds nicht erwarten. Tatsächlich sind nur wenige Fonds wirklich erfolgreich, und kurzfristige Erfolge sind ohnehin nur mit viel Glück zu erzielen.

In den vergangenen fünf Jahren etwa gab es durchweg magere Wertzuwächse. Zwar putzt der Verband scheinbar hohe Gewinne heraus, der deutsche Rentenfonds Adirenta beispielsweise wird mit einem Plus von 20,1 Prozent, DekaTresor mit einem Gewinn von 25,2 Prozent für die Zeit von 1985 bis 1990 verbucht. Das sieht nach viel aus. Der jährliche Zuwachs liegt jedoch bei 3,7 und 4,6 Prozent, einschließlich der Gewinnausschüttung.

Nur wenige Fonds ragen heraus. Spitzenreiter in der Hitliste ist der SMH-Special-Fonds I vom Frankfurter Bankhaus Schröder, Münchmeyer, Hengst & Co. Dieser Aktienfonds machte in den vergangenen zwölf Monaten zwar auch keine Gewinne, angesichts der Gesamttendenz kein Wunder. Doch im Durchschnitt der letzten fünf Jahre gab es ein jährliches Plus von respektablen 17,5 Prozent.

Erfolge und Mißerfolge liegen eng beieinander. Der SMH-Dollar-Rentenfonds rutschte im gleichen Zeitraum jährlich um 2,2 Prozent ab: Gegen den Wertverlust des Dollar kann der geschickteste Fonds-Verwalter nichts ausrichten. Die großen Rentenfonds werfen auch längerfristig nur kleine Erträge ab. Rentenkurse schwanken nun mal nur um wenige Prozentpunkte; die Gewinnchancen sind gering, die Verlustrisiken ebenfalls.

Die Besitzer etlicher Aktienfonds hingegen mußten in den vergangenen fünf Jahren Verluste verschmerzen: bei DekaSpezial, Hansasekur, Transatlanta oder Uniglobal.

Dabei sind die Zahlen des Branchenverbandes BVI sogar noch geschönt. Die Fonds-Manager lassen sich die Verwaltung mit Aufschlägen honorieren, der Rücknahmepreis liegt deshalb am Tag des Kaufs um bis zu fünf Prozent tiefer.

Die Gebühren aber werden bei der Berechnung der wirklichen Rendite nicht mitgezählt: Diese Aufschläge müssen die Fonds-Manager erst einmal erwirtschaften, ehe für den Anleger Gewinne anfallen.

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