Wiederholt diffamiert - DER SPIEGEL
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Gewerkschaften Wiederholt diffamiert

In der IG Druck und Papier zerstritten sich Vorstand und Journalisten. Nach dem Hamburger Kongreß haben die Schreiber kaum noch Einfluß auf die Arbeiterorganisation.
• aus DER SPIEGEL 44/1974
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Im Verkehr miteinander meiden die Kollegen kollegiale Umgangsformen. Dem Vorstandsmitglied der Industriegewerkschaft Druck und Papier, Eugen Stotz, etwa erscheinen die in der IG-Druck-Sektion »Deutsche Journalisten-Union« (dju) zusammengefaßten Redakteure wenig ansehnlich. Die dju, so der Gewerkschafter, sei ein »Sammelbecken der im journalistischen Beruf noch Unterprivilegierten«, ihre Jahreskonferenz eine »Narrenposse. Die dju-Mitglieder versprachen sich darauf gegenseitig, die »wiederholten Diffamierungen« nicht zuzulassen.

Am ärgsten fühlen sich die dju-Mitglieder -- jeder fünfte von insgesamt 20 000 Journalisten in Deutschland -- durch die von Stotz redigierte gewerkschaftliche »Monatszeitschrift für Journalisten »die feder"' verletzt. In kaum einer Nummer läßt es sich der »feder«-Chefredakteur nehmen, die Kollegen von der dju, die mit 4000 Mitgliedern knapp drei Prozent der 160 000 Mann starken IG Druck stellen, zu befehden. Nach der Oktober-Nummer sollen nun gar Gerichte bemüht werden. Unter der Überschrift »Besserer Schutz auch für ... Beschriebene« hatte sich in dieser Ausgabe ein Günter Baumann beklagt, der Hamburger Journalist Dieter Stäcker (dju) habe für einen Bericht über den gewerkschaftseigenen Baukonzern Neue Heimat nur einseitige Informationen verwendet. Stäcker protestierte: »In berufsschädigender Form« und mit unlauteren Methoden sei er angegriffen worden. Denn »feder«-Chefredakteur Stotz habe verschwiegen, daß sein Autor Baumann Pressesprecher der Neuen Heimat sei.

Doch nicht nur durch die »feder« der Gewerkschaft fühlen sich die Journalisten zurückgesetzt. Auch in der Gewerkschaftspolitik kommen die zumeist linken Redakteure kaum noch zum Zuge:

>Bei der in Dortmund erscheinenden Tageszeitung »Westfälische Rundschau« wurden Tarifverträge über wirtschaftliche und redaktionelle Mitbestimmung ohne Beteiligung der dju-Funktionäre ausgehandelt; > beim Hearing der Bundesregierung zum geplanten Presserechtsrahmengesetz verzichtete der IG-Druck-Vorstand auf den Rat der dju; > ohne Beteiligung der dju wurden auch mit der konkurrierenden Standesorganisation »Deutscher Journalisten-Verband« (DJV) Gespräche über eine zukünftige Mediengewerkschaft geführt. Offen gab Vorsitzender Leonhard Mahlein zu, man habe »an der Geschäftsordnung vorbeigehandelt«.

Auch nach der Satzung der IG Druck haben die Journalisten nicht viel zu melden. So wurde etwa in der vorletzten Woche vom Gewerkschaftstag der Antrag abgelehnt, der Hauptvorstand müsse bei »Verhandlungen und Konsultationen, die eine Berufsgruppe betreffen«, den Vorsitzenden dieser Gruppe zu Rate ziehen.

Mit großer Mehrheit angenommen wurde dagegen ein Antrag der IG-Druck-Führung, der die Basis der dju noch weiter schmälern soll. Künftig dürfen keine Studenten mehr in die Gewerkschaft aufgenommen werden. Diese Bestimmung richtet sich besonders gegen solche dju-Ortsvereine, in denen Publizistik-Studenten bisher den Ton angaben.

Inzwischen demoralisierte die Kette der Niederlagen selbst die Aktivisten unter den Gewerkschafts-Redakteuren. Obgleich sie sich fest vorgenommen hatten, den dju-Fresser Stotz zu attackieren und seine Wahl in den Vorstand durch einen eigenen Gegenkandidaten zu erschweren, mußten sie einmal mehr klein beigeben: Niemand fand sich bereit, gegen den »feder«-Chefredakteur aufzutreten.

Zuvor schon hatte das IG-Druck-Management dem dju-Vorsitzenden Eckart Spoo gezeigt, wie er eingeschätzt wird. Nachdem er in seiner Heimatstadt nicht zum Delegierten gewählt worden war, hatte der dju-Chef beim Vorstand angefragt, ob er nicht doch zum Hamburger Gewerkschaftskongreß eingeladen werden könne. Nicht einmal diese Bitte wurde erfüllt.

Statt dessen hatte der IG-Druck-Vorstand einen anderen Gast geladen: Helmut A. Crous, Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes, der ärgsten Konkurrenz des Spoo-Vereins.

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