WERBUNG Willi the kid
Werbeprofi Willi Schalk, 46, entspricht ganz den Vorstellungen, die amerikanische Manager vom guten Deutschen haben: Zuverlässig ist er, fleißig und loyal.
Doch Schalks Kollegen in der Chefetage des New Yorker Werbekonzerns BBDO International schätzen vorwiegend andere, weniger typische Eigenschaften an dem Düsseldorfer. »Willi«, sagt Vorstandschef Allen Rosenshine, hat einen scharfen Verstand blendende Ideen und einen zauberhaften Charme.
Damit hat Schalk es weit gebracht. Er gilt in der Branche als erfolgreichster deutscher Agenturmanager, bei der BBDO ist er die Nummer zwei in der Konzernhierarchie.
Schalks Qualitäten waren während der vergangenen Wochen in der New Yorker Zentrale besonders gefragt. Denn unbemerkt vom geschwätzigen Gewerbe wurde im BBDO-Hauptquartier der größte Agenturcoup der Werbegeschichte vorbereitet.
Selbst engste Mitarbeiter in Düsseldorf von wo aus Schalk nebenbei die deutschen BBDO-Agenturen leitet, ahnten nichts von den Aktivitäten ihres Chefs in den USA. Er ist ohnehin viel unterwegs, pendelt regelmäßig zwischen Düsseldorf und New York oder besucht BBDO-Filialen in mehr als 40 Ländern.
Erst vergangene Woche erfuhren sie, womit Schalk sich zuletzt beschäftigt hatte: Drei der größten Werbemultis, so wurde vermeldet, haben sich zum mächtigsten Reklame-Imperium der Welt zusammengeschlossen. Die »New York Times« sah eine »neue Superpower in der Reklame-Industrie«.
Der neue Gigant unter den Riesen der Werbewirtschaft entsteht durch Aktientausch zwischen den New Yorker Agenturmultis BBDO International, Doyle Dane Bernbach (DDB) und Needham Harper Worldwide. DDB und Needham sollen zu einer Agentur verschmelzen und mit BBDO eine Holding bilden.
Gemeinsam werden diese Reklamefabriken künftig weltweit für rund elf Milliarden Mark Anzeigen. Fernseh-Spots und Plakate produzieren und in die Medien bringen. Zu den Auftraggebern gehören Weltfirmen wie VW/Audi oder IBM, Pepsi-Cola oder McDonald's, der
Waschmittelproduzent Henkel oder der Chemieriese Union Carbide.
Den Tip, doch mal mit Needham Harper über eine Fusion zu sprechen, bekam Schalk im Herbst vergangenen Jahres während einer feuchtfröhlichen Segeltour auf der Elbe bei Hamburg.
Ganz beiläufig plauderte Jürgen Knauss, Chef der Münchner Needham-Agentur Heye, Needham & Partner, zu vorgerückter Stunde beim Bier, er habe gehört, Needham-Präsident Keith Reinhard suche nach einem Partner. Der Amerikaner wolle besser ins harte internationale Geschäft kommen.
Schalk nahm das Gespräch ernst. Seine Firma ist ständig auf der Suche nach neuen Agenturen und Kunden, um das weltweite Netz zu stärken. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht einer der großen Reklamemultis, allen voran Saatchi & Saatchi in London, irgendwo auf der Welt weitere Werbekraft hinzukauft.
Saatchi war auch an DDB interessiert. Die New Yorker Agentur, die dem VW-Käfer in den sechziger Jahren auf dem US-Markt zum Durchbruch verhalf, hatte in den vergangenen Jahren vor allem im kreativen Bereich Probleme. Da kam das Angebot, bei der neuen Superagentur mitzumachen, gerade recht.
»Da findet ständig ein Rennen um Größe statt«, sagt Georg Baums, Mitinhaber der noch rein deutschen Agentur BMZ in Düsseldorf. Auch Baums' Firma gehört zu den umworbenen Werbeunternehmen.
Tatsächlich wird der Trend zu global operierenden Agenturnetzen immer stärker. »Schon bald«, glaubt Willi Schalk, »werden nur noch fünf Agenturgruppen
das weltweite Geschäft weitgehend unter sich ausmachen.«
Die Konsum-Bürger der kaufstarken westlichen Industrieländer, so die simple Erklärung, gleichen sich immer stärker in ihren Lebensgewohnheiten an. Diese gesellschaftliche Nivellierung läßt die Märkte zusammenwachsen; den Konzernen werden globale Verkaufsstrategien, die nur noch von weltumspannenden Agenturnetzen zu steuern sind, geradezu aufgezwungen.
Durch die Mammut-Fusion in New York glaubt Schalk dafür gesorgt zu haben, daß BBDO auch künftig ganz vorn dabei ist, wenn es um die Verteilung der gewichtigen Werbeetats geht.
In Deutschland hat Schalk seine Agentur nach ganz vorn gebracht. Seit 1984 ist BBDO mit Etats von der Bundespost, dem Kaufhof oder Minolta die umsatzstärkste Reklamefirma. Auch DDB (VW) und Needham (McDonald's) machten bereits vor der Fusion blendende Geschäfte in der Bundesrepublik. Gemeinsames Werbevolumen: 853 Millionen Mark.
Ob allerdings die Kundschaft den Drang zur schieren Größe mitmacht, muß sich erst zeigen. »Wir werden prüfen«, sagt VW-Sprecher Ortwin Witzel, »ob unsere Agenturbeziehungen durch die Fusion betroffen sind.«
Das ist durchaus möglich. Denn DDB-Partner Needham betreut in einigen Ländern den japanischen VW-Konkurrenten Honda.
Auch Ebrulf Zuber, Sprecher des Düsseldorfer Henkel-Konzerns, der zu den BBDO-Kunden gehört, ist optimistisch. Zuber glaubt zwar nicht, daß »wir unmittelbar betroffen sind«. Es sei allerdings bedenklich, wenn die Partner auf der Agenturseite »immer stärker werden«.
Für Erfolgsmanager Schalk bedeutet der Sprung an die Spitze auch einen Karriereschritt vorwärts. Der gelernte Industriekaufmann rückt in den Vorstand der neuen Holding, bleibt aber Präsident aller nichtamerikanischen BBDO-Agenturen. Auch seinen Job in Düsseldorf wird er vorerst behalten.
Die Aufgabenvielfalt wird gut honoriert. Mit einem Jahresgehalt von rund 1,3 Millionen Mark verdient der Werbemann inzwischen mehr als die meisten Topmanager der deutschen Industrie.
Weiter rauf allerdings wird es in Schalks Karriere wohl kaum gehen. »Willi the kid«, wie der Deutsche in New York wegen seines jungenhaften Aussehens genannt wird, hatte bereits im vergangenen Jahr abgelehnt, sich für das freigewordene Präsidentenamt des BBDO-Konzerns zu bewerben.
Statt dessen unterstützte der Deutsche seinen jetzigen Chef Allen Rosenshine, der jetzt auch die Führung des neuen Werbegiganten übernimmt.
»Auf den Stuhl der Stühle«, sagt Schalk in richtiger Einschätzung seiner Chancen, »gehört ein Amerikaner und kein Exote wie ich.«