»Wir müssen sparen« - DER SPIEGEL
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KIRCHENFINANZEN »Wir müssen sparen«

Interview mit dem Finanzchef des Papstes, Kardinal Sergio Sebastiani, über rote Zahlen im Vatikan-Budget, den Wert der Kirchenschätze und das Gehalt des Papstes
• aus DER SPIEGEL 32/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Eminenz, der Papst gibt mehr aus, als er einnimmt, die Bilanz des Heiligen Stuhls 2001 schließt mit 3,5 Millionen Euro Verlust ab. Muss Johannes Paul II. jetzt sparen?

Sebastiani: Wir haben acht Jahre lang Überschüsse erwirtschaftet, aus diesen Rücklagen können wir den Verlust leicht abdecken. Aber natürlich müssen wir sparen. 2001 war ein schwieriges Jahr, 2002 wird nicht leichter.

SPIEGEL: Woher kommen die Probleme im päpstlichen Budget? Kürzen die Gläubigen ihre Überweisungen nach Rom?

Sebastiani: Im Gegenteil, die Bistümer und die Ortskirchen in aller Welt, die uns nach ihren finanziellen Möglichkeiten mit Geld ausstatten, aber auch Stiftun- gen, kirchliche Betriebe oder Privatpersonen haben uns 2001 mehr zukommen lassen als zuvor. Weggebrochen sind dagegen die Einnahmen aus Finanzaktivitäten.

SPIEGEL: Haben Sie sich an der Börse verspekuliert?

Sebastiani: Nein, wir sind, wie alle, die ihre Ersparnisse Gewinn bringend anlegen wollen, Opfer der negativen Börsenentwicklung. Viele Jahre haben uns unsere Finanzanlagen, in Anleihen und in Aktien, schöne Überschüsse beschert. Im Jahr 2000 zum Beispiel etwa 30 Millionen Euro. Im vorigen Jahr nun fielen die Kurse und die Renditen dramatisch, wie jeder weiß.

SPIEGEL: Neben dem Haushalt des Heiligen Stuhls gibt es einen zweiten Etat, den des Papst-Staates »Vatikanstadt«. Der weist für das vergangene Jahr 14 Millionen Euro Gewinn aus. Das ist doch Ausgleich genug für die Verluste der anderen Rechnung.

Sebastiani: Nein, nein, das sind völlig getrennte Kassen. Der Heilige Stuhl umfasst die Aktivitäten des Papstes als Oberhaupt der katholischen Kirche; also den Verwaltungsapparat der römischen Kurie, den »Osservatore Romano«, Radio Vatikan, die Kosten für seine Reisen. Dann gibt es den Staat »Vatikanstadt«, nur 0,44 Quadratkilometer groß, aber deshalb sehr wichtig, weil er dem Papst Unabhängigkeit von jeder politischen Macht garantiert. Dieser Zwergstaat hat Einnahmen - etwa aus den Museen, unserer Tankstelle, unserem kleinen Supermarkt, dem Briefmarkenverkauf - und Ausgaben, Strom, Sicherheitsdienste, Gärtner, Straßenreinigung etc. Erfreulicherweise saldiert sich beides zu einem Plus.

SPIEGEL: Zwei Bilanzen, aber ein Chef. Der Papst steht beidem vor, Heiligem Stuhl wie Vatikan.

Sebastiani: Ja, als Bischof von Rom ist er Nachfolger von Petrus auf dem Heiligen Stuhl, also der Hirte der katholischen Kirchengemeinde, und er ist zugleich Chef des Vatikan-Staats.

SPIEGEL: Und er ist formal Eigentümer des immensen römischen Kirchenschatzes. Wie reich ist der Papst?

Sebastiani: Der Papst ist nicht reich. Dem Vatikan gehören zwar Kulturgüter von großem Wert, wie die »Pietà« von Michelangelo und der Petersdom, aber es sind keine verkäuflichen Werte.

SPIEGEL: Hat der Vatikan nie etwas verkauft?

Sebastiani: Doch, vor etwa 20 Jahren war der Heilige Stuhl in großen wirtschaftlichen Nöten und hat deshalb ein Gebäude veräußert. Aber ein Bürogebäude, keine Kirche.

SPIEGEL: Viele große Unternehmen, allen voran der US-Weltkonzern Coca-Cola, würden Ihnen viel Geld zahlen, wenn sie Werbespots in den Programmen von Radio Vatikan platzieren dürften. Aber Sie zieren sich.

Sebastiani: Wir wollen das auch künftig lieber nicht. Richtig ist: Unsere Medienaktivitäten, die das Wort und das Bild des Papstes in die Welt tragen, sei es über Radio Vaticana mit seinen Programmen in 60 Sprachen oder über unsere Tages-zeitung »L'Osservatore Romano«, kosten uns viel Geld. Einnahmen von 20,6 Millionen Euro stehen Ausgaben von 42,2 Millionen Euro gegenüber. Das geht auf Dauer nicht, da müssen wir etwas tun. Wir überlegen derzeit zum Beispiel, ob man die Zahl der Sprachen, in der »L'Osservatore Romano« erscheint, reduzieren, oder ob man manche Radioprogram-me preiswerter produzieren kann.

SPIEGEL: Finanzminister pflegen quasi reflexartig über die Personalkosten der Öffentlichen Dienste zu stöhnen. Geht Ihnen das auch so?

Sebastiani: Wenn wir unsere Gehälter mit den italienischen vergleichen, sind die unteren Einkommensgruppen bei uns besser bezahlt, die oberen dagegen schlechter.

SPIEGEL: Was verdient zum Beispiel ein Kardinal?

Sebastiani: Zwischen 2000 und 2500 Euro.

SPIEGEL: Und wie hoch ist das monatliche Gehalt des Papstes?

Sebastiani: Das weiß ich nicht. Ich weiß nicht einmal genau, ob er ein Gehalt bekommt. Ich denke eher: nein.

SPIEGEL: Was macht er, wenn er eine Cola trinken will?

Sebastiani: Alles das, was er braucht, wird gestellt. So wie die Wohnung, das Personal, das Auto, auch - wenn er will - eine Cola. INTERVIEW: HANS-JÜRGEN SCHLAMP

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