»Wir sperren nicht aus« - DER SPIEGEL
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TARIFSTREIT »Wir sperren nicht aus«

Martin Kannegiesser, 60, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, zur bevorstehenden Tarifrunde
• aus DER SPIEGEL 13/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Die IG Metall droht im Tarifkonflikt mit Streik. Wie werden Sie reagieren?

Kannegiesser: Dass einige in der IG-Metall schon jetzt von Urabstimmung und Streik reden, ist unverantwortlich. Die Arbeitgeber streben einen Abschluss am Verhandlungstisch an. Dazu haben wir erst kürzlich ein weit reichendes Lösungskonzept vorgelegt, über das erst einmal gründlich verhandelt werden sollte. Wenn die IG Metall aber unbedingt streiken will, dann werden wir darauf anders reagieren, als das in früheren Tarifrunden üblich war.

SPIEGEL: Was meinen Sie damit?

Kannegiesser: Wenn die IG Metall früher 10 000 Beschäftigte in den Streik geschickt hat, haben wir im Gegenzug 10 000 Beschäftigte ausgesperrt. Solche überholten Arbeitskampf-Rituale passen nicht mehr in die vernetzte Wirtschaft eines modernen Industrielandes und erst recht nicht zur Qualität der Arbeitsbeziehungen in modernen Betrieben. Außerdem wäre der wirtschaftliche Schaden einfach zu groß. Wir werden in dieser Tarifrunde deshalb einen Streik nicht mit einer allgemeinen Aussperrung beantworten. Es sei denn, einem Betrieb bleibt bei einem massiven Arbeitskampf keine andere Wahl.

SPIEGEL: Sie kapitulieren?

Kannegiesser: Wir setzen darauf, mit der IG Metall eine vernünftige Gesprächslösung zu erreichen. Sollte die Gewerkschaft dazu aber nicht bereit sein, muss sie die Verantwortung für die Folgen übernehmen.

SPIEGEL: Welche wären das?

Kannegiesser: Fällt der Abschluss zu hoch aus, müssen viele Betriebe Beschäftigung abbauen, oder sie werden sich aus der Bindung der Flächentarifverträge verabschieden. Für die IG Metall wäre das ein Pyrrhus-Sieg. Ihre hohen Tarife würden für immer weniger Beschäftigte gelten.

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