Wirbel um Endesa-Übernahme Madrid will E.on stoppen
Madrid - Per Dekret beschloss das spanische Kabinett heute, der staatlichen Regulierungsbehörde CNE größere Befugnisse einzuräumen, wie Industrieminister Joe Montilla in Madrid mitteilte. Damit kann die Kommission die Übernahmepläne von E.on nun überprüfen und gegebenenfalls stoppen. Bislang war die CNE nur für Fusionen unter spanischen Unternehmen auf dem Energiemarkt zuständig.
E.on hatte letzte Woche Endesa ein Angebot von insgesamt 29,1 Milliarden Euro gemacht und damit den spanischen Energieriesen Gas Natural bei weitem überboten. Dieser wollte den heimischen Branchenführer für 22,5 Milliarden Euro schlucken. Schon in diesem Zusammenhang zeigte sich die zentrale Bedeutung des Energiesektors für die spanische Regierung - sie wollte diese als feindlich eingestufte Übernahme trotz des Einspruchs der nationalen Kartellbehörde durch eine Sondererlaubnis möglich machen.
So war der Widerstand aus Madrid gegen die E.on-Offerte erwartbar. Neben der Entscheidung, die Kompetenzen der CNE auszuweiten, beschloss die spanische Regierung heute auch, ihre Milliardenzahlungen an die spanischen Stromkonzerne auslaufen zu lassen. Dies könne Endesa für E.on weniger attraktiv machen, hieß es im Industrieministerium. Mit den Zuzahlungen an die Energiekonzerne hatte der Staat bisher die Differenz zwischen den Produktionskosten und den von der Regierung festgesetzten Preisen für Haushaltsstrom ausgeglichen.
Konflikt mit EU ist vorprogrammiert
Es gehe darum, das Gemeinwohl und einen strategischen Wirtschaftszweig Spaniens zu schützen, begründete Vizeregierungschefin María Teresa Fernández de la Vega die Neuerungen. Mit ihrem Vorgehen steuert die Regierung jedoch auf heftige Auseinandersetzung mit der EU zu. Die Gemeinschaft hat Madrid ausdrücklich vor dem heutigen Schritt gewarnt. Der EU-Sprecher Jonathan Todd betonte, Spanien habe das exklusive Recht über rein spanische Geschäfte zu entscheiden, doch für Geschäfte mit einer europäischen Dimension seien die EU-Aufsichtsbehörden zuständig.
Neben der spanischen Regierung bringt sich offenbar auch der heimische Gasversorger Gas Natural gegen E.on in Stellung. Mehreren Presseberichten zufolge will er mit dem E.on-Angebot gleichziehen oder es sogar leicht überbieten. Bereits an diesem Montag werde Gas Natural das neue Gebot vorlegen, hieß es. Allerdings wolle der Gasversorger das Geschäft nicht wie E.on vollständig in bar, sondern zur Hälfte in Aktien abwickeln. Das Unternehmen selbst wollte sich zu den Spekulationen nicht äußern.
E.on sondiert schon die Lage bei den Aktionären
E.on selbst sucht bereits das Gespräch mit Endesa-Großaktionären in den USA und Europa. Konzernchef Wulf Bernotat sagte dem SPIEGEL in einer vorläufigen Bilanz: "Der erste Aufschlag war äußerst gelungen. Das heißt aber noch nicht, dass der Kauf bereits gelaufen ist." Bernotat sagte, letztlich würden nicht die Politiker, sondern die Eigentümer von Endesa über das Angebot entscheiden. Ab jetzt laufe alles "streng nach den Regeln des Kapitalmarkts".
Dass sich ein weiterer europäischer Stromkonzern in die Übernahmeschlacht einmischt und ein höheres Angebot vorlegt, hält der Manager für unwahrscheinlich. "Unternehmen, die über ausreichend Kapital verfügen, in dieses Rennen einzusteigen, und gleichzeitig die notwendigen Börsen-Voraussetzungen mitbringen, gibt es nur ganz wenige", sagte er.
Die Endesa-Übernahme wurde von E.on seit Wochen konsequent vorbereitet. Bereits am 1. Dezember gab es ein erstes Treffen zwischen Bernotat und Endesa-Vizechef Rafael Miranda Robredo. Danach erörterten die beiden Manager bei weiteren Treffen in Madrid und Düsseldorf Möglichkeiten einer Kooperation und loteten aus, ob und inwieweit die beiden Unternehmen strategisch und vom Management zueinander passen würden. Endgültig grünes Licht für seinen gewagten Übernahmeplan erhielt Bernotat dann bei einer Sonderaufsichtsratssitzung des E.on-Konzerns am vergangenen Sonntag in Düsseldorf.
E.ON will mit der Übernahme des spanischen Konkurrenten zum größten Strom- und Gasversorger der Welt aufsteigen. Das neue Unternehmen würde mehr als 50 Millionen Kunden in über 30 Ländern mit Strom und Gas versorgen und sowohl in Europa wie in Nord-und Südamerika präsent sein.
ase/AP/AFP/dpa