Wirtschaftliche Lage Der Euro schmiert ab, Clement freut sich
Berlin - "Im nächsten Jahr dürften wir ein deutlicheres Wachstum erreichen von etwa zwei Prozent, und dann würden auch entsprechende Wirkungen am Arbeitsmarkt alsbald spürbar werden", sagte Clement am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters und unterstrich damit die Regierungsprognose. Doch auch im nächsten Jahr erwarte er keinen rapiden Aufschwung. "Rasanz ist noch nicht angesagt. Das Binnenproblem in Deutschland ist aus meiner Sicht die Baukonjunktur. Die Bauwirtschaft wird nie mehr so bedeutungsvoll werden wie beispielsweise zu Anfang der 90er Jahre." Erst etwa sechs Monate, nach einer konjunkturellen Belebung, könne es zu einer Wende am Arbeitsmarkt kommen.
Für die zweite Hälfte des laufenden Jahres sei nur mit einer "leichten Belebung" zu rechnen. Ob die Prognose von 0,75 Prozent für 2003 zu halten sei, ließ Clement offen. "Das weiß ich nicht. Ich habe aber nicht die Absicht, irgendeine neue Zahl in die Welt zu setzen", sagte er. Die nächste Prognose komme im Oktober, "und damit hat sich's".
Euro-Sturz lässt Clement hoffen
Die Exportschwäche im ersten Halbjahr 2003 sei auf den Irak-Konflikt, weltwirtschaftliche Faktoren und die Euro-Stärke zurückzuführen. Allerdings dürfe man den Einfluss des starken Euro dabei nicht überbewerten. "Auch ein Level von 1,16 bis 1,18, wie wir ihn zwischendurch hatten, war noch auf dem Niveau des Einstiegs in die gemeinsame europäische Währung. Da dürfen wir uns nichts vormachen. Aber natürlich ist für unsere Exportwirtschaft der jetzige Stand günstiger." AM Donnerstagabend war der Euro erstmals seit Monaten wieder unter die Marke von 1,10 Dollar gerutscht
Clement nannte die geplanten Reformen des Arbeitsmarkts als zentrale Grundlage einer Trendwende. Daher sei die Absage der Union an einen Reformgipfel schädlich, doch erwarte er nach den bayerischen Landtagswahlen mehr Gesprächsbereitschaft. "Ich finde das eine sehr schwache Stellungnahme der Union, ihrer Vorsitzenden und der Ministerpräsidenten. Es ist ja wenig in der Substanz, sondern ein bisschen Verweigerung", sagte Clement. "Ich vermute, dass sich nach dem 21. September die Gesprächsbereitschaft der Union erhöht. Wir sind jedenfalls bereit zu jedem Gespräch - natürlich auch vor den bayerischen Wahlen - und sind auch offen für bessere Lösungen, bessere Vorschläge."