Wirtschaftsaussichten Hohe Preise drücken Konjunkturerwartungen auf 16-Jahres-Tief
Berlin - Es war ein deutliches Minus: Der ZEW-Konjunkturindex sackte von minus 41,4 auf minus 52,4 Punkte ab - so tief war er lag seit Ende 1992 nicht mehr. Verantwortlich für den starken Rückgang seien Preissteigerungen, die die Kaufkraft der Konsumenten verringert hätten, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Die Umfrage des Mannheimer Instituts wird jeden Monat unter 264 Börsianern durchgeführt.
Kohlekraftwerk (in Rommerskirchen): "Die Stimmung ist am Gefrierpunkt"
Foto: DPA"Die Daten sind wirklich schockierend", sagte Andreas Scheuerle, Analyst von der Dekabank, in einer ersten Einschätzung. "Die Stimmung der Analysten ist nahe am Gefrierpunkt. Gleichwohl sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen: Das ZEW-Barometer ist ein Indikator für die Stimmung an den Märkten, nicht unbedingt für die konjunkturelle Entwicklung."
Laut ZEW ist der Rückgang der Konjunkturerwartungen auf mehrere Faktoren zurückzuführen.
- Zum einen suggerierten wiederholt rückläufige Auftragseingänge eine sich abschwächende Konjunkturdynamik für die kommenden sechs Monate.
- Zum anderen verringerten die anhaltend hohen Preissteigerungen für Energie und Nahrungsmittel die Kaufkraft der Konsumenten.
- Zudem dürften sich Kreditkonditionen für Unternehmen in Folge der Finanzkrise und der erwarteten Zinserhöhung der EZB verschlechtern.
"Die Erwartungen der Finanzanalysten sind durch Prognosen hinsichtlich einer sich abschwächenden Konjunkturdynamik im Jahr 2009 geprägt", sagte Franz. Umso mehr komme es darauf an, dass die Bundesregierung die wirtschaftspolitischen Weichen richtig stelle und das Erreichte nicht verspiele.
Die Bewertung der aktuellen Lage hat sich den Angaben nach im Juni geringfügig verschlechtert. Der entsprechende Indikator sank um 1,0 Punkte auf 37,6 Punkte und lag damit knapp über der Prognose von 37,3 Punkten.
Analyst Matthias Rubisch von der Commerzbank sagte: "Wir hatten mit einem Rückgang gerechnet, aber nicht in diesem Ausmaß. In den vergangenen Wochen hat sich das wirtschaftliche Umfeld doch deutlich verschlechtert. Wir haben einen kräftigen Anstieg der Ölpreise gesehen, der den privaten Konsum dämpfen dürfte."
Auch Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim betonte: "Letztlich spiegelt der Indikator die Verunsicherung wider wegen des hohen Ölpreises und der daraus resultierenden Kaufkraftverluste. Gerade die Konjunkturerwartungen für 2009 sind skeptischer geworden, deshalb die Verschlechterung der ZEW-Erwartungen."
cvk/Reuters/ddp/AP