Wirtschaftsforscher: EZB auf falschem Weg - DER SPIEGEL
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Wirtschaftsforscher EZB auf falschem Weg

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Frankfurt am Main - Eine wahrscheinliche Anhebung der Leitzinsen auf 4,75 Prozent würde den konjunkturellen Aufschwung im Euroraum gefährden. Mit dieser Auffassung zitiert die "Frankfurter Rundschau" den Konjunkturexperten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Gustav-Adolf Horn. Zwar liege die Teuerung mit 2,4 Prozent über den tolerablen zwei Prozent. Es handele sich dabei angesichts der Euroschwäche und des hohen Ölpreises aber nur um ein vorübergehendes Phänomen.

Für den Wissenschaftler ist die Europäische Zentralbank (EZB) grundsätzlich auf dem falschen Weg: Die Zinsen hätten nach Horns Meinung in der Europäischen Währungsunion gar nicht erst auf das jetzige Niveau klettern dürfen. So werde die bisherige Zinspolitik das Wachstum im kommenden Jahr mindestens um ein halbes Prozent wieder unter die Grenze von durchschnittlich drei Prozent drücken.

Durch teures Geld werde Druck auf die Preise im Binnenmarkt ausgeübt, "von denen aber keine Inflationsgefahr ausgeht", zitiert die Zeitung Horn. Allerdings habe die EZB sich durch ihre bisherige Verfahrensweise unter Druck gesetzt, weshalb der Wissenschaftler mit einer weiteren Zinserhöhung rechnet.

Diese schwierige Situation werde zusätzlich durch die exportorientierte europäische Wirtschaft verschärft. So dürfte ein stärkerer Euro im kommenden Jahr die Preise für europäische Produkte erhöhen und sich zusätzlich die Nachfrage aus dem Boomland Vereinigte Staaten abschwächen. Trotz der immer noch guten Wachstumsdaten dürfe man sich nicht von Spekulationen über den Segen der New Economy täuschen lassen, so Horn in der "Frankfurter Rundschau".