Wirtschaftsforscher Ölpreis drückt auf Konjunktur
Berlin - "Eine gravierende Beeinträchtigung des Aufschwungs oder sogar ein Abgleiten in eine Rezession wie nach den Schocks in den siebziger Jahren ist aber nicht wahrscheinlich", heißt es in dem Herbstgutachten, das am Dienstag in Berlin veröffentlicht wurde.
In den Jahren 1999 und 2000 zusammengenommen mache der "Entzugseffekt" durch die höheren Ölpreisrechnungen ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. 1973/74 und 1979/80 habe Effekt jeweils 2,3 Prozent betragen. Insgesamt werde die Ölrechnung in diesem Jahr 69,9 Milliarden Mark betragen und damit um 33 Milliarden Mark höher ausfallen als im Jahr 1999. Das entspricht 0,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Im Frühjahrsgutachten waren die Wissenschaftler noch von einer Mehrbelastung in diesem Jahr von rund 20 Milliarden Mark ausgegangen.
Der jetzigen Prognose liegt die Annahme zu Grunde, dass das Einfuhrvolumen bei Rohöl und Mineralölerzeugnissen so hoch sein wird wie 1999, der Ölpreis sich bis Ende des Jahres bei 31 Dollar pro Barrel hält und der Kurs des Euro gegenüber dem Dollar unverändert bleibt. Ein Grund für den vergleichsweise geringen dämpfenden Effekt des Ölpreisanstiegs auf die Konjunktur ist nach Einschätzung der Experten, dass sich der Mineralölverbrauch in der Industrieproduktion inzwischen halbiert hat. Der Ölpreisschock habe die deutsche Volkswirtschaft zudem in einer Aufschwungphase mit annähernder Preisstabilität getroffen.
Gleichwohl schlage sich die Verteuerung beim Öl unmittelbar in den Lebenshaltungskosten nieder. Von dem für 2000 prognostizierten Anstieg der Verbraucherpreise um rund zwei Prozent gehe etwa die Hälfte auf das Konto der Heizöl- und Kraftstoffpreise. Die Institute rechnen damit, dass der Ölpreis im Laufe des nächsten Jahres auf 25 Dollar pro Barrel sinken und im Durchschnitt des kommenden Jahres bei 27 Dollar pro Barrel liegen wird.