Wirtschaftskrise Schweiz rutscht in die Rezession
Bern - Nach sechs Jahren Aufschwung ist die Schweiz in eine Rezession gerutscht. Im vierten Quartal 2008 habe das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 Prozent abgenommen, teilte das Wirtschaftsministerium in Bern mit. Im dritten Quartal betrug das Minus zum Vorquartal nach neuesten Berechnungen 0,1 Prozent. Nach gängiger Definition spricht man nach zwei Quartalen mit negativer Wachstumsentwicklung von Rezession.
Schweizer Käseproduktion: Exporte um acht Prozent eingebrochen
Foto: REUTERSInsgesamt hat sich die Schweizer Wirtschaft aber immer noch deutlich besser entwickelt als beim größten Handelspartner Deutschland, wo die Konjunktur im vierten Quartal um 2,1 Prozent einbrach. Auch die Erwartungen der Analysten übertraf das Schweizer Bruttoinlandsprodukt - sie hatten einen Rückgang von 0,8 Prozent erwartet.
Wie das Staatssekretariat für Wirtschaft in Bern am Dienstag mitteilte, halbierte sich das Jahreswachstum in der Schweiz auf 1,6 Prozent, im Boomjahr 2007 waren es noch 3,3 Prozent gewesen. Im Euroraum und in den USA hat die Rezession etwa ein Quartal früher eingesetzt als in der Schweiz. Das lasse befürchten, dass das Wirtschaftswachstum des ersten Quartals 2009 ähnlich schwach ausfallen könnte wie das Schlussquartal für Deutschland, sagte der Konjunkturexperte der Zürcher Kantonalbank, David Mamet.
Der Hauptgrund für das Minus der Schweizer Wirtschaft liegt bei den Exporten. Die Ausfuhren sanken im Jahresschlussquartal um acht Prozent. Die Ausrüstungsinvestitionen verzeichneten ebenfalls einen ausgeprägten Rückgang um rund vier Prozent.
Stabilisierend wirkte der Konsum, aber auch da nähern sich wichtige Kennzahlen der Nulllinie. Für Möbel, Freizeit und Kultur gaben die Schweizer im vierten Quartal bereits weniger aus. Insgesamt ist der private Konsum nur noch leicht um 0,1 Prozent gewachsen. Eine stärkere Konjunkturstütze waren die Staatsausgaben. Der Staatskonsum stieg um 0,7 Prozent. Dass der Staat für die Konjunkturentwicklung eine zunehmend wichtigere Rolle spielt, zeigt die Statistik der Wertschöpfung. Sie nahm in der Industrie und im Finanzsektor um jeweils mehr als ein Prozent ab. In den durch öffentliche Dienstleistungen geprägten Bereichen sowie in Handel, Gastgewerbe und Verkehr fiel sie dagegen noch positiv aus.
Derweil wird ein Aufweichen des Bankgeheimnisses in der Schweiz immer wahrscheinlicher. Die Regierung will so verhindern, dass das Land auf die schwarze Liste der unkooperativen Steueroasen kommt. Der ehemalige Schweizer Botschafter in Berlin, Thomas Borer, sagte im SPIEGEL-ONLINE-Interview, derzeit zeige sich "die Schwäche des Schweizer Regierungssystems, das nicht auf Krisen zugeschnitten" sei.