Wirtschaftsschaden EM-Aus kostet England Milliarden
London - Zum ersten Mal seit 24 Jahren wird England nicht an der Fußballeuropameisterschaft teilnehmen - nach dem 2:3 gegen Kroatien ist eine Qualifikation nicht mehr möglich. Der volkswirtschaftliche Schaden könnte nach einem Bericht des TV-Senders BBC beträchtlich sein.
Der Finanzmarkt reagierte bereits: Unmittelbar nach dem EM-Aus sanken die Aktienwerte von Sportartikeleinzelhändlern wie Sports Direct, Umbro und JJB Sports. Sports Direct warnte gestern sogar davor, dass er vermutlich die Gewinnerwartungen für das laufende Geschäftsjahr verfehlen werde - das Unternehmen ist am Ausrüster Umbro beteiligt, der auch das englische Team beliefert.
Auch den englischen Pubs geht durch das vorzeitige Ausscheiden Englands eine Menge Umsatz verloren. "Allein in der Vorrunde eines solchen Turniers werden binnen drei Spielen zwischen 20 und 25 Millionen zusätzliche Pints ausgeschenkt", sagte ein Sprecher der British Beer an Pub Association der BBC.
Einzelhandel erwartet Einbußen
Auch andere Einzelhändler werden unter der Fußball-Flaute zu leiden haben. Während der Fußballweltmeisterschaft 2006 nahmen die Händler nach Angaben des Britischen Einzelhandelskonsortiums (BRC) gut 1,25 Milliarden Pfund extra ein. Haupteinnahmequellen waren Getränke, Essen, Flachbild-Fernseher sowie Fanartikel wie Fahnen und T-Shirts.
Laut Simon Chadwick, Professor für Sportmarketing an der Coventry Business School, könnte das EM-Aus sich sogar generell auf die Produktivität der Briten auswirken: "Es gibt Hinweise darauf, dass die generelle Produktivität bei früheren Turnieren allmählich anstieg - mit jeder Runde, die das englische Team im Turnier weiterkam." Chadwicks These: Hätte es das englische Team 2008 ins EM-Finale geschafft, wären für die englische Volkswirtschaft gut zwei Milliarden Pfund, 2,77 Milliarden Euro, rausgesprungen.
Immerhin rechnet das BRC für die EM 2008 noch damit, etwa die Hälfte des erwarteten Umsatzes einzufahren. "In England leben viele verschiedene Nationalitäten, es werden sich also immer noch viele Fans die Spiele ansehen", sagte ein BRC-Sprecher der BBC.
Auch die Wettbüros sehen dem Ausscheiden der englischen Nationalmannschaft überraschend gelassen entgegen: "Wir erwarten gute Ergebnisse", sagte Graham Sharpe von der Wettfirma William Hill. "Wir werden versuchen, aus patriotischen Briten ehrenhafte Deutsche, Kroaten oder Italiener zu machen."
ssu