Wirtschaftsstandort: Hamburg holt auf - DER SPIEGEL
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Wirtschaftsstandort Hamburg holt auf

Der verpatzte Umzug der Bahn-Zentrale nach Hamburg war ein Beispiel dafür, dass die die beharrlichen Bemühungen der Wirtschaftsförderung nicht immer fruchten. Dabei hat die Hansestadt Unternehmern viel zu bieten.
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Hamburg - Der kleine Stadtteil St. Georg nahe des Hamburger Hauptbahnhofs hat sich ein Stück weiter von seinem Schmuddelimage entfernt: Nach knapp einem Jahr Bauzeit eröffnete der niederländische Elektronikkonzern Philips hier unweit des alten Standorts seine schmucke Deutschland-Zentrale.

Ganze 16 Stockwerke hoch ragen die beiden 60 Millionen teuren Gebäude über die Dächer der Stadt - Blick auf die Alster für die über 700 Mitarbeiter inklusive. In den gemieteten Räumen - Eigentümer des Bauwerks ist die Großbank Credit Suisse - sind die vier Unternehmensbereiche Consumer Electronics, Elektro-Hausgeräte, Lighting und Halbleiter untergebracht.

Der Tower ist nicht das einzige Großprojekt der Gegend. Überall stehen Baukräne, mit deren Hilfe neue Bürokomplexe entstehen. Fast unbemerkt hat sich St. Georg mit Unternehmen wie Siemens und IBM zu einem bedeutenden Technologiestandort gemausert.

Hamburg verbessert sich im Länder-Ranking

Auch Hamburg insgesamt entwickelt sich. In einem Bundesländer-Ranking, das die wirtschaftliche Dynamik der 16 Regionen miteinander vergleicht und von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft in Zusammenarbeit mit der "Wirtschaftswoche" erstellt wurde, machte die Hansestadt innerhalb von zwei Jahren den größten Sprung nach vorn: Im Vergleich zur vorherigen Untersuchung konnte sie sieben Plätze auf Rang sechs gewinnen.

Verantwortlich dafür waren vor allem Umsatzrendite und Eigenkapitalquote der ansässigen Unternehmen. Beide Faktoren verzeichneten im Vergleich zu den anderen Bundesländern den höchsten Zuwachs. Auch die Investitionsquote des öffentlichen Haushalts belegte in der Untersuchung Platz eins im gesamtdeutschen Vergleich.

Zwar würde sich die Handelskammer Hamburg noch einen weiteren Ausbau der Investitionen wünschen - aber insgesamt blickt auch die Unternehmervertretung positiv in die Zukunft. "Wir erwarten in diesem Jahr ein über dem Bundesdurchschnitt liegendes Wirtschaftswachstum", sagt Syndikus Günther Klemm zu manager-magazin.de. Das habe man zum einen der positiven Weltwirtschaftsentwicklung zu verdanken, von der Hamburg durch seine außenwirtschaftliche Orientierung in der Hafen-, Logistik- und Flugzeugbranche profitiere.

Zum anderen funktioniere aber auch das im Sommer 2002 vom CDU-geführten Senat ins Leben gerufene Leitbild der "Wachsenden Stadt". "Dadurch wird Bürgern und Unternehmen eine positive Zielvorstellung an die Hand gegeben, an denen sie sich orientieren können", so Klemm. Das Konzept soll dazu beitragen, Hamburg zu einer der attraktivsten Regionen Europas zu machen. Um das zu erreichen, hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, das Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum sowie die Einwohnerzahl deutlich zu steigern.

Kompetenz ballen

Im Wettbewerb mit anderen deutschen Städten muss Hamburg indes immer wieder Rückschläge einstecken. Jüngstes Beispiel ist der von der Bundesregierung verhinderte Umzug der Bahn-Zentrale. "Das Debakel hat sehr geschadet", sagt Karl-Werner Hansmann von der Universität Hamburg. Seiner Meinung nach hätte der Senat die Bundesregierung nicht im Unklaren über die Pläne lassen sollen, dann wäre die Verlegung der Konzernzentrale möglicherweise durchführbar gewesen.

Noch in anderer Sicht ist Berlin ein starker Gegner. Als Hauptstadt zieht sie vor allem Medienunternehmen stark an. "Hinzu kommen die hohen Subventionen, mit denen der Berliner Senat diese Firmen lockt", sagt Andreas Köpke von der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (HWF) zu manager-magazin.de. Andere große Konkurrenzstädte seien Frankfurt und München - wegen der besseren Anbindung in den Bereichen Handel sowie IT.

Um neue Unternehmen an Alster und Elbe zu holen, setzt die Wirtschaftsförderung daher, ähnlich wie beispielsweise Sachsen, auf die Bildung und Stärkung von Clustern. "Durch die Konzentration der Aktivitäten auf einzelne Branchen lassen sich die Kräfte besser bündeln", beschreibt HWF-Geschäftsführer Dietmar Düdden das Konzept. Neben den drei bereits vorhandenen Clustern Medien, IT und Telekommunikation (MITT) sowie Luftfahrt und China will die Wirtschaftsförderung ab sofort auch im Logistikbereich eine Schnittstelle zwischen den Unternehmen und dem Senat bilden.

"Zu sündig"

Bei all dem Lob am Wirtschaftsstandort Hamburg weist Hamburg-Experte Hansmann aber auch noch auf einen Kritikpunkt hin: International gesehen sei Hamburg als Standort zu wenig bekannt. "Wenn im Ausland von der Stadt gesprochen wird, dann meist im Zusammenhang mit der Reeperbahn", so Hansmann. "Ein Kongress mit vielen amerikanischen Teilnehmern wurde beispielsweise deshalb nicht hierher verlagert, weil deren Ehefrauen die Stadt für zu sündig hielten." Hansmann plädiert deshalb dafür, verstärkt mit internationalen Organisationen zusammenzuarbeiten und intensiveres Marketing zu betreiben.

Handelskammer-Syndikus Klemm wäre schon damit zufrieden, wenn die bisherige Standortpolitik fortgesetzt wird. "Uns ist wichtig, dass die Regierung auch in der zweiten Halbzeit weiter stürmt und nicht nachlässt."