WM-Tickets Anklage gegen EnBW-Chef Claassen
Karlsruhe - Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe interpretiert die Einladungen als Vorteilsgewährung. So habe Claassen sechs Mitglieder der Landesregierung Baden-Württemberg und einen Staatssekretär der Bundesregierung mit seiner Weihnachtspost persönlich zu WM-Spielen in die Loge des Unternehmens eingeladen.
"Nach der Bewertung der Staatsanwaltschaft kam es Prof. Dr. Claassen mit seiner persönlichen Ansprache und der Zuwendung darauf an, sich für die Berücksichtigung der Belange des Konzerns erkenntlich zu zeigen, das bestehende Verhältnis zu pflegen oder zu verbessern", begründeten die Strafverfolger ihre Anklage am Landgericht Karlsruhe. Zwei Empfänger hätten die Einladung angenommen. Die Große Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe muss noch über die Zulassung der Anklage entscheiden.
Das Verfahren gegen die Politiker wegen Vorteilsannahme soll gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt werden. Die übrigen fünf Empfänger seien auf das Angebot nicht eingegangen. Alle sieben Politiker hatten nach Angaben der Staatsanwaltschaft dienstliche Berührungspunkte mit den Geschäften des Versorgers.
EnBW wies die Vorwürfe gegen Claassen in einer Stellungnahme als "absurd" zurück. "Noch vor kurzem hat Justizminister Goll auf eine parlamentarische Anfrage öffentlich erklärt, dass es zu den dienstlichen Aufgaben eines Regierungsmitglieds gehöre, das Land auch bei Sportveranstaltungen zu repräsentieren", heißt es darin. "Dies sei strafrechtlich unproblematisch, selbst wenn die Freikarten von einem Sponsor kämen. Umso unverständlicher ist es, wenn nun gegen Claassen Anklage erhoben wird, weil dieser den Minister Goll und einige Ministerkollegen ebenfalls zu Fußballspielen eingeladen hat."
tim/Reuters/dpa