Wochenausblick Gespannte Ruhe vor dem Härtetest
Hamburg - Mit positiven Überraschungen rechnet kaum noch einer. Zu eindeutig waren die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA, die unisono auf eine Rezession in der größten Volkswirtschaft hindeuten.
Nachdem die Stimmung der US-Verbraucher ein Fünfjahrestief erreicht hat, warnte am Freitag auch der Einzelhandelsriese JC Penney vor sinkenden Umsätzen und Gewinnen: Die Kreditkrise ist in der Realwirtschaft angekommen, und die Mehrheit der Volkswirte rechnet sowohl für das erste wie auch für das zweite Quartal mit einer sinkenden Wirtschaftsleistung jenseits des Atlantiks.
Entscheidend ist jedoch, ob die Weltbörsen auf ihrem aktuellem Niveau die schwache Konjunkturentwicklung bereits eingepreist haben. Schwache Daten von den US-Einkaufsmanagern (Dienstag) und vom US-Arbeitsmarkt (Freitag) wären schlicht die Bestätigung für die aktuellen Schwierigkeiten.
Die Börse denkt jedoch immer einige Monate voraus. Sollte Notenbankchef Ben Bernanke, der am Mittwoch vor dem US-Senat spricht, weiterhin Entschlossenheit demonstrieren und die Hoffnung auf eine Besserung ab Herbst stärken, könnten die Indizes trotz schwacher Konjunkturdaten wieder anziehen.
20 Prozent Kursverlust seit Sommer
Nach Berechnungen der Commerzbank hat der Dax seit Juli rund 20 Prozent an Wert verloren. In der US-Rezession 1990 sei der deutsche Leitindex dagegen innerhalb von 130 Handelstagen um 33 Prozent abgerutscht.
Doch zuletzt hat sich der Dax hartnäckig oberhalb der Marke von 6500 gehalten. In der vergangenen Woche legte der Index in Folge einer Erholung an der Wall Street wieder zu. Das Hilfspaket von Notenbanken und US-Regierung, bestehend aus Zinssenkungen, Geldspritzen, Steuerschecks und Erleichterungen für Finanzkonzerne, stärkt bei vielen Investoren die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Krise.
In diesem Fall hätte der Dax sogar Erholungspotenzial. Einige Analysten vergleichen das aktuelle Kursniveau und die damit einhergehenden sehr hohen Dividendenrenditen im Dax bereits mit dem Frühjahr 2003 - einem Wendepunkt nach einem zähen Bärenmarkt.
Diese riskante Wette kann jedoch nur aufgehen, wenn die für diese Woche erwarteten Konjunkturdaten nicht noch schlechter ausfallen als ohnehin schon befürchtet - Pessimisten rechnen damit, dass bis zu 100.000 Jobs in den USA verlorengehen. Außerdem sollten sich keine neuen Milliardenlöcher im gebeutelten Bankgewerbe auftun.
Trauer bei Landesbanken, Gerüchte bei Dresdner Bank
Dass auch biedere deutsche Landesbanken Summen in bisher nicht geahntem Ausmaß verzockt haben, deutet sich auch im Fall BayernLB an. Bayerns Ministerpräsident Günter Beckstein befürchtet, dass sich die Belastungen der Landesbank mehr als verdoppeln und die Summe von vier Milliarden Euro übersteigen. Neben der BayernLB stehen auch die Düsseldorfer WestLB sowie die WGZ Bank auf ihren Bilanz-Pressekonferenzen in dieser Woche Rede und Antwort.
Lebhaft dürften auch die Diskussionen über die Zukunft der Dresdner Bank bleiben. "Die Gerüchteküche kocht weiter", sagte ein Analyst. Zuletzt kursierten drei Optionen in den europäischen Handelsräumen: Eine Dreier-Allianz mit der Commerzbank und der Postbank , eine Übernahme durch den chinesischen Staatsfonds CIC oder Interesse der spanischen Bank Santander. Die Dresdner Bank war 2001 von der Allianz übernommen worden und gilt als deren Sorgenkind.
US-Konjunkturdaten weisen den Weg
Doch aller kurssteigernden Spekulationen zum Trotz - die entscheidenden Impulse werden in dieser Woche von den US-Konjunkturdaten kommen.
Am Dienstag wird zunächst der ISM-Einkaufsmanagerindex für die Industrie veröffentlicht. Der Index spiegelt die Stimmung von Unternehmen in 20 Berichten des verarbeitenden Gewerbes wider. Volkswirte sagen für März im Schnitt einen Rückgang auf 48 Zähler voraus. Erfahrungswerten zufolge muss bei Werten unter 48 Zählern von einem nachhaltigen Rückgang der Industrieproduktion ausgegangen werden.
US-Notenbankchef Ben Bernanke spricht dann am Mittwoch vor dem Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses zu den Perspektiven der US-Wirtschaft. Dabei dürften seine Worte wiederum auch auf Hinweise zu weiteren Zinssenkungen abgeklopft werden - ein Zinsniveau von aktuell 2,25 Prozent muss noch nicht das untere Ende bedeuten.
Arbeitsmarktbericht am Freitag
Für den monatlichen Arbeitsmarktbericht, der am Freitag auf der Agenda steht, sagen Experten im Schnitt einen Abbau von 50.000 bis 55.000 Stellen voraus. Die Commerzbank prognostiziert sogar einen Beschäftigungsrückgang um 100.000 Stellen.
"Bisher hat vor allem der Beschäftigungsabbau auf deutlich verschlechterte Aussichten hingedeutet, inzwischen mehren sich auch die Anzeichen für eine nachlassende Investitionstätigkeit", konstatiert Ralph Solveen von der Commerzbank. "Die Frage ist daher, ob die USA auf eine tiefere Rezession zusteuert als von vielen erwartet."
In diesem Fall dürfte es an den Märkten erneut ruppig werden. Investoren, die bereits auf aktuellem Niveau wieder einsteigen wollen, sollten dies nach Empfehlung von Analysten und Fondsmanagern in mehreren, kleineren Schritten tun.
manager-magazin.de mit Material von Reuters und AP