Wochenausblick Zahlenreigen an der Wall Street
New York - Mit dem Start der Berichtssaison der US-Firmen über das abgeschlossene Quartal wird die Richtung der Wall Street in dieser Woche nach Einschätzung von Analysten von Ergebnissen und Ausblicken der Unternehmen bestimmt.
Allerdings könnten, wie bereits in der vergangenen Woche, die wieder gestiegenen Ölpreise und Befürchtungen der Anleger, das Gewinnwachstum könnte nachlassen, einen möglichen Kursaufschwung bremsen, sagten Analysten. Für etwas Zuversicht habe indes die überraschende Bilanzvorlage von SAP gesorgt, sagte ein Börsianer. Die vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal seien positiv und weckten nach den gesenkten Prognosen anderer Softwarehäuser wieder den Optimismus.
Die Stimmung der Investoren könnte allerdings durch eine Reihe von Konjunkturdaten getrübt werden, wie die Einzelhandelsumsätze am Mittwoch. Von diesen erwarten die Anleger Hinweise auf das Kaufverhalten der US-Verbraucher. Die Verbraucherausgaben machen rund zwei Drittel der Leistung der weltgrößten Volkswirtschaft aus. Die am Donnerstag und Freitag anstehenden Erzeuger- und Verbraucherpreise zeigten an, wie sich die Inflation entwickelt, und lassen möglicherweise Schlüsse darauf zu, wie schnell die US-Notenbank (Fed) die Zinsen im zweiten Halbjahr erhöhen könnte.
"Die Umsätze sind gering"
Am Freitag hatte der Standardwerte-Index Dow Jones 0,41 Prozent höher mit rund 10.213 Punkten geschlossen. Der breiter gefasste S&P 500 legte 0,33 Prozent auf etwa 1112 Punkte zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq kletterte 0,57 Prozent auf rund 1946 Zähler. Im Vergleich zur Vorwoche verlor der Dow 0,6 Prozent, der S&P ein Prozent und der Nasdaq sogar drei Prozent.
"Wir müssen uns darüber klar werden, dass das ein Markt in engen Spannen ist. Die Umsätze sind gering, und es gibt nicht viel Mut in Bezug auf die Kaufkraft", sagte Larry Wachtel von Wachovia Securities. Paul Cherney von Standard & Poor's fügt hinzu: "Die Sorge besteht darin, dass wir einen Punkt erreicht haben, an dem die Gewinne langsamer wachsen. Ich rechne mit einer Stabilisierung des Marktes und dem Versuch nach oben zu kommen. Ich glaube aber nicht, dass wir eine Stampede der ganzen Herde auf der Käuferseite erleben werden".
Apple und Intel im Blickpunkt
Starke Beachtung werden in der kommenden Woche Analysten zufolge der weltgrößte Chiphersteller Intel und der Computerhersteller Apple auf sich ziehen, die am Dienstag ihre Ergebnisse vorstellen wollen. Ebenfalls am Dienstag stehen der Quartalsberichte des Herstellers von Gesundheitsprodukten Johnson & Johnson sowie des Erfrischungsgetränkekonzerns Pepsico an. Am Mittwoch und Donnerstag folgen die Finanzkonzerne Bank of America und der weltweite Branchenprimus Citigroup .
Investoren blicken den Ergebnissen allerdings mit Skepsis entgegen, nachdem die Saison mit einer Reihe von Enttäuschungen begonnen hat.
So hatte zum Beispiel am Mittwoch der Softwarekonzern Peoplesoft mit einem schwachen Ausblick die Hoffnungen der Anleger enttäuscht. Der Internet-Konzern Yahoo hatte zwar seinen Gewinn im zweiten Quartal mehr als verdoppelt, entmutigte aber die Investoren mit seiner Prognose für das laufende dritte Quartal. Lediglich der am Börsenwert gemessen weltgrößte Konzern General Electric machte den Anlegern am Freitag wieder Mut. "Die ersten paar Tage der Berichtssaison waren fürchterlich. Es gibt Sorgen, dass die Zahlen OK sind, die Ausblicke aber umso weniger", sagte Analyst Larry Wachtel.
In Europa werden die Berichte von Philips und Nokia im Blickpunkt stehen. Bei den deutschen Unternehmen herrscht vorerst noch weitgehend Ruhe. "Auf dem Capital Markets Day der Allianz könnte es Hinweise zur Entwicklung im 2. Quartal geben", sagte Analyst Hürkamp von der LRP. Im MDax legt Südzucker Zahlen vor, im TecDax Micronas .
"Wenn sich die Verbraucher eine Auszeit nehmen, haben wir ein Problem"
Wichtige Hinweise auf den Konjunkturverlauf in den USA werden Analysten zufolge die erwarteten Einzelhandelsdaten liefern. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte rechnen bei den am Mittwoch anstehenden Einzelhandelsumsätzen im Juni im Schnitt mit einem Minus von 0,6 Prozent, nachdem die US-Autokonzerne im vergangenen Monat zweistellige prozentuale Absatzeinbrüche hatten hinnehmen müssen. "Die Verbraucher sind 70 Prozent der Volkswirtschaft, und wenn sie beginnen, eine Auszeit zu nehmen, haben wir ein Problem", so Wachtel.
Für den am Donnerstag erwarteten Index der US-Erzeugerpreise auf der Großhandelsstufe wie auch für die am Freitag anstehenden Verbraucherpreise rechnen Volkswirte für Juni insgesamt mit einem Anstieg um 0,2 Prozent.
Der Preisentwicklung schenken die Märkte große Beachtung, weil ihr eine hohe Bedeutung für die Geldpolitik der Fed zukommt. Viele Investoren befürchten, ein stärkerer Preisanstieg könnte die Notenbank von ihrer angekündigten Politik maßvoller Zinserhöhungen abbringen und eine aggressivere Geldpolitik nach sich ziehen. Die Fed hatte in der vergangenen Woche ihren als Schlüsselzins geltenden Zielsatz für Tagesgeld erstmals seit vier Jahren angehoben - um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent.