Wohnungsbau-Pleite Leipzig-West-Anlegern droht Totalverlust
Leipzig - Die Pleite des Wohnungsbauunternehmens Leipzig-West könnte sich zum größten Finanz- und Anlageskandal Ostdeutschlands auswachsen. Der Insolvenzverwalter erklärte heute, das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren Schuldverschreibungen im Wert von 250 Millionen Euro ausgegeben.
Betroffen seien etwa 25.000 Anleger. Die Verbraucherzentralen sprechen gar von 30.000 Menschen, die dem 1926 gegründeten Unternehmen ihr Geld anvertraut hätten. Nach Angaben des Amtsgerichts Leipzig sind bisher drei Insolvenzanträge des Leipzig-West-Firmenkonglomerats eingegangen. Wegen der engen Verquickung zahlreicher Firmen unter dem Mantel von Leipzig-West sei mit weiteren Insolvenzanträgen zu rechnen, sagte eine Gerichtssprecherin heute. "Es geht um mehrere hundert Millionen Euro", sagte Volker Pietsch, Chef des Deutschen Instituts für Anlegerschutz (DIAS). "Der Immobilienbestand ist viel weniger Wert als die ausgegebenen Anleihen."
Der Rechtsanwalt Jochen Resch, der zahlreiche Geschädigte vertritt, rief die Betroffenen auf, sich möglichst schnell zusammenzuschließen, um im Insolvenzverfahren gegenüber den Banken bestehen zu können. Nach Abzug der Bankverbindlichkeiten von 30 Millionen Euro bleibt nach Angaben des Anwalts ein Firmenvermögen von 70 Millionen Euro, das an die Gläubiger verteilt werden könne.
Gehaltszahlung über Vorfinanzierung gesichert
"Da sieht man sofort, dass das für alle Geschädigten nicht reichen kann", sagte Resch. "Mir ist in ganz Ostdeutschland kein größerer Fall bekannt", fügte er hinzu. Nach Einschätzung von Verbraucherschützern ist in solchen Fällen des sogenannten Grauen Kapitalmarktes nicht selten mit einem Totalverlust der Einlagen zu rechnen.
Insolvenzverwalter Lucas Flöther sagte, derzeit würden Möglichkeiten einer Sanierung des Unternehmens geprüft. Nach ersten Beratungen mit dem Vorstand sei beschlossen worden, "den Geschäftsbetrieb zunächst aufrecht zu erhalten". Die Gehälter der etwa 120 Beschäftigten könnten über eine Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes gesichert werden.
Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren bundesweit für seine Anleihen geworben. Versprochen wurden Zinsen zwischen fünf und sieben Prozent. "Die Werbung war äußerst seriös aufgemacht", sagte Resch. Die versprochene Rendite sei zudem deutlich höher gewesen als bei vergleichbaren Anlagen. "Den Anlegern ist hier kein großer Vorwurf zu machen", sagte der Jurist. Nach bisherigen Erkenntnissen wird davon ausgegangen, dass das Unternehmen nach dem Schneeballsystem arbeitete. Die Zinsen der Alt-Anleger wurden also immer mit frischem Geld von neuen Anlegern bezahlt.
Gegen den Vorstandsvorsitzenden der Leipzig-West, Pierre Klusmeyer, läuft bereits seit Wochen ein Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Leipzig wegen des Verdachts auf Konkursverschleppung.
Von Matthias Hasberg, ddp