Wolfgang Reitzle Jobwechsel aus Liebe
Wiesbaden - "Wer seine Wohnung in London phasenweise nur ein Mal im Monat sieht, der fragt sich, ob dieses Leben der Gesundheit nicht abträglich ist", sagte der jetzige Ford-Manager der "Welt am Sonntag". Es habe die Gefahr bestanden, dass er seine Ehefrau, die Fernsehjournalistin Nina Ruge, nur alle sechs Wochen irgendwo auf einem Flughafen sehe. Ein bisschen mehr Ruhe könne da nicht schaden, sagte Reitzle, der von 2003 an das Steuer bei dem Anlagenbauer und Hersteller von Industriegasen und Kühlaggregaten übernimmt. Derzeit ist Reitzle für die Luxusmarken bei Ford wie Jaguar oder Aston Martin zuständig.
Allerdings seien auch neue Strukturen bei Ford für seinen Wechsel mitverantwortlich, meinte Reitzle. Seit der Umstrukturierung sei sein direkter Ansprechpartner nicht mehr die Nummer eins im Unternehmen, sondern der Chief Operating Officer. Das sei er nicht gewöhnt, er habe immer an den Chef berichtet.
Zur "Bild"-Zeitung sagte Reitzle, die Rückkehr nach Deutschland sei eine Lebensentscheidung. Er sei lieber Kapitän auf einer Fregatte als Offizier auf einem Flugzeugträger. Über Linde sagte er: "Die Firma gilt zwar nicht als sexy, ist aber grundsolide und hat erstklassige Produkte. Linde braucht Fantasie und eine Vision für die Zukunft." Gegenüber seinen guten Jahren bei Ford, in denen er 6,3 Millionen US-Dollar pro Jahr verdient habe, werde er sich allerdings finanziell verschlechtern. "Aber ich akzeptiere, mich ins deutsche Gehaltsgefüge einordnen zu müssen."